Montag, 12. Mai 2014

Schottland, das Land der Mythen

Good morning guys.
Hier bin ich wieder, nach zwei Wochen Schottland. Eine durchaus interessante Erfahrung, die ich sehr genossen habe.

In meiner Schule kann man sich in der zehnten Klasse entscheiden, ob man für vier Wochen nach Amerika oder für zwei Wochen nach Schottland geht. Es gibt für Amerika jedoch nur begrenzt Plätze, sodass die eine Hälfte von den Lehrern bestimmt und die andere Hälfte ausgelost wird.
Nach reichlichem Überlegen habe ich mich dann entschieden, nach Schottland zu gehen. Denn: Wann bekomme ich diese Chance wieder?

Schreckliches Essen, trübes Wetter und furchtbar schwer zu verstehende Sprache. Das würde mich also erwarten, wenn man den zahlreichen Gerüchten Glauben schenken darf.
Mit einem mulmigen Gefühl ich Magen rückte der Tag also immer näher uns schließlich, am 5. April 2014 war es schließlich soweit. Zu früher Stunde trafen wir uns und fuhren mit dem Bus ca. 9 Stunden nach Amsterdam. Dort ging es weiter mit der Fähre nach Newcastle.
Nicht nur die Erfahrung, mit einer Fähre zu reisen, war neu für mich. Auch die Zeitumstellung machte mir ein wenig zu schaffen, doch ich habe die Fahrt sehr genossen und das Frühstück war einfach fantastisch.





Um 9 Uhr britischer Zeit kamen wir dann endlich an und es wurde sofort klar, dass wir uns nicht mehr in den Niederlanden oder in Deutschland befanden. Die Landschaft war einfach einzigartig, in der Hafeneinfahrt waren schon alte Ruinen zu sehen.


Der erste Programmpunkt: Das Beamish Freilichtmuseum.


Die wunderschönen, alten Gebäude haben mich begeistert und es gab alte Busse und Straßenbahnen, mit denen man von einem Ort des Museums zum anderen fahren konnte.


Nach einem kurzen Besuch beim Housestead Roman Fort, wo wir das englische Wetter zu spüren bekommen haben, kamen wir in der ersten Jugendherberge an. Feucht, kalt, bäh. 
So hatten wir uns das nicht vorgestellt, aber schließlich mussten wir nur eine Nacht darin verbringen (zum Glück!).

Am 7. April stand die Melrose Abbey an. In der Zwischenzeit waren wir schon in Schottland angelangt und bekamen abermals das kalte Wetter zu spüren: Ohne winddichte Jacke war man aufgeschmissen! Die wunderschönen Ruinen der Kathedrale sind schnell besichtigt, trotzdem gibt es viel zu entdecken. Und im kleinen Ort Melrose habe ich die erste britische Telefonzelle gefunden ♥


Nach relativ langer Busfahrt ging es dann weiter nach New Lanark, mit der Besichtigung des New Lanark Museums. Die große Textilfabrik bestand aus mehreren, alten Häusern, die fast alle zu besichtigen waren.
Das Leben der Kinder, die dort gearbeitet, gelernt und gelebt haben, wird sehr anschaulich dargestellt und ich bin sehr beeindruckt, was dort alles geschaffen wurde.
In der Anlage befindet sich auch die nächste Jugendherberge, wo wir das erste Mal kochen durften (und das Haus für uns alleine hatten). 

Nach einer kurzen Nacht begann der nächste Programmpunkt: Besichtigung von Loch Lomond und eine kurze Badeeinlage von mehreren Mitschülern. Da ich mich schon erkältet hatte, konnte ich an dem Spaß nicht teilnehmen :) Und - ein Wunder war geschehen - der erste Tag mit schönem Wetter. Zumindest kein Regen.


Auf der Fahrt nach Loch Ness befand sich ein weiterer (Foto-)Stopp: Das Tal der Tränen, auch GlenCoe genannt, überzeugte mit einer einzigartigen Landschaft und stellte die Schönheit der Highlands bestens zur Schau. 




Unser nächster Halt war, wie schon oben angesprochen, Loch Ness bzw. Urquhart Castle.
Vom Castle steht zwar nur noch eine Ruine (wie bei den meisten Burgen in Schottland), aber gerade dieser Verfall macht sie einzigartig. Trotz einer wunderschönen Aussicht haben wir Nessi leider nicht gesehen, dafür aber einen weiteren Regenbogen - und wie schnell sich das schottische Wetter ändern kann.




Das nächste Youth Hostel befindet sich in Inverness und war sehr modern, wir sind auf andere deutschsprachige Gruppen gestoßen.

Die Cairngorm Mountains - wunderschön aus der Ferne, mit Schnee auf den Spitzen. Sobald man einmal oben ist und es, wie bei uns, sehr windig und nass ist, will man schnellstmöglich wieder runter. Schade, dabei habe ich mich so auf einen Vormittag im Schnee gefreut.
Als kleines Trostpflaster wurde die Gruppe am Mittag aufgeteilt: Die eine Hälfte wollte unbedingt im Cafe eines Museums bleiben, die andere Hälfte (zu der ich gehöre) machte eine Wanderung auf dem Wildcat Trail. Wildkatzen haben wir keine gesehen, dafür aber viele Flechten und Schafe. Überall Schafe.




Und schon war das Umherziehen von Jugendherberge zu Jugendherberge vorbei. Die letzte Nacht verbrachten wir noch in Inverness, dann kam die Fahrt nach Edinburgh. Währenddessen wurden im Bus Filme geschaut, dann kamen wir zum ersten Zwischenstopp: Queens View.
Und die Sicht ist wirklich einer Königin würdig. Das Wetter war wie bestellt und wir konnten es nur noch genießen. 


Der nächste Stopp war bei der Destillierie Glenturret, wo wir eine Führung bekamen (aber natürlich keinen Alkohol kaufen durften!). Dafür durften wir das schottische Nationalgetränk probieren: Irn Bru.
In Edinburgh angelangt ging es dann in die Gastfamilien.
Die Vorfreude war groß, aber ich konnte auch die Angst nicht unterdrücken. Schließlich hatten wir zuvor - außer dem Nachnamen der Familie - keinerlei Informationen bekommen.
Doch es stellte sich alles als harmlos heraus: Die Gasteltern waren total nett und haben sich super um uns gekümmert. Den Luxus, zu dritt in zwei 2er Zimmern zu schlafen, hatte nicht jeder - und wir hatten sogar einigermaßen guten Wasserdruck, was man ja von den Jugendherbergen nicht behaupten konnte.

Edingburgh - eine wunderschöne Stadt, deren alte Gassen, "Closes" genannt, mich inspiriert haben. Nach einer Stadtführung, bei der wir unter anderem den Strand besucht haben, hatten wir den Nachmittag für uns und das wurde auch ausreichend genutzt: Shoppen, Museen besuchen oder einfach nur in einem der zahlreichen Cafés entspannen.



Nach diesem anstrengenden Tag ging es gleich weiter mit einer Busfahrt. St. Andrews, das kleine oder auch größere Örtchen an der Küste. Den Wind waren wir zwar inzwischen schon gewöhnt, trotzdem hat er uns dort aufs Neue überrascht - und einige Frisuren zerstört!
Die Besichtigung des alten Castles war sehr interessant und abermals gab es viel zu entdecken; von verborgenen Nischen bis hin zu alten unterirdischen Gängen.
Auch die St. Andrews Cathedral mit dem alten Friedhof war wundervoll. Auf dem Turm in der Mitte der riesigen Fläche eröffnete sich ein großartiger Ausblick über St. Andrews.
Abermals wurden uns zwei freie Stunden gewährt, in dem wir das kleine Städtchen erkundeten und die Vorzüge von frischen Sandwiches schätzen lernten.

Ein weiteres Highlight des Tages sollte eine "Überraschung" in Perth werden, die die Lehrer großartig angekündigt hatten.
Einmal dort angelangt fiel zuerst die imposante Brücke auf, dann kamen wir an unserem Ziel an: Golf.
Schließlich sollten wir, zumindest einmal, die Nationalsportart Schottlands am eigenen Leib kennenlernen.
Zugegeben, die wenigsten schafften es, den Ball weiter als zehn Meter zu schlagen, doch wie heißt es so schön: Dabei sein ist alles.
Außerdem durften sich die nicht so erfolgreichen bei der Minigolf Anlage daneben den Frust von der Seele schlagen.

Nicht nur die Stadt Edinburgh ist einen Besuch wert, auch das Castle sollte auf jeden Fall besichtigt werden. Das war am nächsten Tag unser Ziel; leider waren wir viel zu früh in der Stadt angelangt und hatten noch drei Stunden Zeit, die die meisten bei einer Hot Chocolate oder einem Earl Grey genossen. 
Das Wetter hatte sich wieder verschlechtert und doch machte der Besuch im Castle großen Spaß: Die Besichtigung des Military Prison verschaffte eine düstere Atmosphäre, wohingegen die Ankunft einer Gruppe von Dudelsack-Spielern wieder gute Laune verbreitete. 
Ein weiterer Nachmittag stand zur freien Verfügung und so statteten wir den nicht so belebten Gassen einen Besuch ab, kauften die letzten Souvenirs und genossen die Freundlichkeit der Schotten.
Schon am Abend herrschte in unserer Gastfamilie bedrückte Stimmung, schließlich mussten wir am nächsten Tag schon wieder die Heimreise antreten.
Einige abschließenden Fotos wurden gemacht und am nächsten Morgen beim Frühstück wurde uns wirklich bewusst, dass die Heimreise vor der Tür stand.
Einen letzten Stopp gab es am Tantallon Castle, das die schönste Lage der bisher besuchten Castles hatte: Direkt am Meer gelegen, in der Ferne ein erloschener Vulkan, umgeben von weitläufigen Grünflächen.




Nach mehrstündiger Busfahrt hieß es dann schon wieder: Abschied nehmen von einem Land, das auf jeden Fall einen Besuch wert ist. 
Die Rückfahrt mit der Fähre nach Amsterdam erwies sich als - sagen wir mal - schwieriger. Der Seegang war viel stärker und es war schwierig, sich auf dem Schiff fortzubewegen. Alle waren froh, als wir nach 12 Stunden wieder festen Boden unter den Füßen hatten. 

Nicht nur, dass ich in Schottland die Landschaft genossen habe - auch die Leute waren total offen und freundlich und ich konnte den schottischen Akzent, entgegen meiner Erwartungen, verstehen.
Die Städte waren nicht mal meine Highlights der Fahrt, obwohl ich die Architektur in Edinburgh wunderschön fand. Das Tal der Tränen und die vielen Castles haben es mir angetan und ich habe sehr viel Inspiration bekommen.
Das wird hoffentlich nicht meine letzte Reise in dieses Land gewesen sein.



~Sophia



Kommentare:

  1. Ich gebe zu, ich habe jetzt nicht den ganzen Text gelesen, aber du weißt echt wie man schöne Fotos macht. Die Landschaften sind wirklich sehr schön. Großes Lob!

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