Mittwoch, 25. November 2015

# 6 Von der Idee zum fertigen Buch: Korrektur

Quelle: pixabay.com

Bevor man aber mit der Korrektur beginnt, sollte man das Manuskript auf jeden Fall erst einmal eine bis zwei Wochen liegen lassen, sich überhaupt nicht damit beschäftigen. Das verleiht dem Autor ein wenig Objektivität, wenn es am Ende an das Korrigieren geht. Er muss praktisch einen Schritt zurücktreten und das Manuskript nicht als Autor sondern als unabhängiger und kritischer Leser betrachten.
Bei der Korrektur gibt es viele verschiedene Bereiche, auf die man achten muss.
Zunächst die Logik. Habe ich die Handlung nachvollziehbar beschrieben, die Situationen logisch aufgebaut oder gibt es innerhalb der vielen hundert Seiten Unstimmigkeiten?
Um alle logischen Fehler zu finden, muss man das Manuskript sehr oft durchlesen und auf jedes kleinste Detail achten. Wenn man logische Fehler findet, muss man natürlich versuchen, sie zu beheben. Dabei gibt es meist zwei Möglichkeiten: Der Autor kann die Szene komplett neuschreiben oder eine neue Szene einfügen, die die unlogische Passage erklärt. Es tut oft weh, Stellen oder ganze Kapitel neuzuschreiben, aber oft muss es sein. Außerdem dient es nur dem Zweck, das Werk zu verbessern. Hinter jedem Buch steckt wahnsinnig viel Arbeit, wahnsinnig viele Stunden Überarbeitung. Als Außenstehender sieht man das oft gar nicht.
Zu der Logik gehört auch das Finale, also die letzten Seiten des Manuskriptes. Werden am Ende alle Fragen geklärt oder sind immer noch Geheimnisse offen? Sind alle losen Fäden in einem Netz zusammengebracht worden? Und ist das Finale vor allem logisch oder viel zu einfach? Es heißt also wieder: Szenen überarbeiten, einfügen oder neuschreiben. Wenn das Finale nicht passt, muss man es womöglich neu aufbauen und komplett ändern. Dabei hilft vielen Autoren der Umstand, dass sie sich früher schon alternative Enden überlegt haben.
Als nächstes achtet man auf die Charaktere. Kann ich mich mit der Protagonistin identifizieren? Fühle ich mit den Charakteren mit oder sind sie nur Marionetten? Kann ich mir die Orte des Geschehens gut vorstellen oder muss ich noch einige Beschreibungen einfügen? Bei diesen Punkten ist es gefährlich, als Autor den Text zu lesen. Als Verfasser hat man die ganzen Hintergrundinformationen im Kopf, die Autoren wissen genau, wie ihre Handlungsorte aussehen. Sie wissen, dass der Keller dunkel und bedrückend ist, dass es eine undichte Wasserleitung gibt, aus der immer wieder Wasser auf den Boden tropft. Dass es kein Licht gibt und der Protagonist sich fürchtet. Aber genau diese Empfindungen, genau diese Beschreibungen muss auch der Leser wissen. Er muss wissen, wie die Charaktere sich fühlen und wo sie sich befinden. Nur wenn der Leser im Kopf in die Handlung eintauchen kann, ist die Szene realistisch erzählt.
Um bei den Charakteren zu bleiben: Jedes Buch spielt in einem bestimmten Zeitraum. Meistens spielt die Geschichte in mehreren Wochen ab, manchmal dauert sie viele Monate oder auch Jahre. In dieser Zeit passiert sehr viel und das verändert die Charaktere. Sie werden ängstlicher oder auch mutiger, lernen mit schwierigen Situationen besser oder schlechter zurechtzukommen. Jeder Charakter macht eine Entwicklung mit und nur wenn diese Entwicklung zu erkennen ist, ist der Roman realistisch. Es können kleine Details sein. Ganz zum Schluss, wenn die komplette Überarbeitung sich dem Ende zuneigt, wird auf die Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik geachtet. Vielleicht fehlt ein Wort, es wiederholt sich etwas oder ein Buchstabe ist zu viel. Beim Tippen kann man einige Fehler machen und diese sollte man jetzt finden und verbessern.

Die eigene Korrektur nimmt viele Stunden in Anspruch, am Ende sollte man das Manuskript auf jeden Fall mehr als vier Mal komplett durchgelesen und auf Fehler geachtet haben. Irgendwann wird man jedoch an einen Punkt gelangen, an dem das Gehirn streikt und die einfachsten Fehler nicht mehr erkennt. Das liegt natürlich daran, dass man seinen eigenen Text in- und auswendig kennt und die offensichtlichsten Fehler nicht mehr sieht.
Dann kommen die Testleser ins Spiel. Man sucht sich zwei bis drei Personen, manchmal mehr oder auch weniger, aus dem Freundeskreis oder auch im Internet und gibt ihnen die Texte. Sie werden eine vollkommen andere Sicht haben, vielleicht auch bezüglich der Logik oder der Charaktere noch Fehler erkennen. Weil sie nicht Verfasser des Textes sind, weil sie nur die Wörter bewerten und kein Hintergrundwissen haben, wie es beim Autor der Fall ist.
Erst, wenn der Testleser am Ende das abschließende Fazit abgibt, schreibt er mit, vergleicht die Meinungen und überlegt sich, was er von den vorgeschlagenen Änderungen umsetzen kann und was nicht. Es gibt auch manche Stellen, die man unbedingt lassen möchte, die der Leser aber schlecht findet. Dann ist dem Autor überlassen, ob er die Vorschläge annimmt.

Habt ihr spezielle Strategien, um zu korrigieren? Wie lange benötigt ihr im Schnitt?

Morgen: Verlag - ja oder nein? 

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