Freitag, 27. November 2015

# 8 Von der Idee zum fertigen Buch: Antwort vom Verlag + Marketing

Quelle: pixabay.com
Wenn man abgelehnt wurde, bekommt man meist nur ein kurzes Schreiben, in dem keine genauen Gründe genannt werden. Was vielleicht auch besser ist, weil die Lektoren beim Verlag sonst mit Rechtfertigungen überhäuft werden würden. Jetzt liegt es am Autor, den nächsten Schritt zu machen. Er sollte sich überlegen, wieso das Manuskript nicht angenommen wurde und was er ändern muss. Vielleicht klappt es dann beim nächsten Mal.
Der Autor Robert Schneider wurde mit seinem Roman „Schlafes Bruder“ bei 24 Verlagen abgelehnt bis er an den Reclam Verlag kam. Das Buch ist heutzutage eines der meistverkauften Titel dieses Verlages. Auch „Harry Potter“ wurde von vielen Verlagen abgelehnt, bis es endlich vom Bloomsbury Verlag angenommen wurde. Heutzutage zählen beide Romane zu Bestsellern, deren Namen jeder kennt. Also: Nicht aufgeben!
Die Antwort kann jedoch auch positiv ausfallen, das bedeutet, dass der Verlag das Manuskript drucken möchte. Für diese Phase sollte der Autor sehr viel Zeit einplanen, da es jetzt ums Eingemachte geht.

Zuerst einmal muss für die Zusammenarbeit von Autor und Verlag ein Autorenvertrag ausgehandelt werden. Darin wird festgelegt, wie viel der Autor mit seinem Roman verdient, bei wem die Rechte liegen, wann das Buch voraussichtlich erscheinen wird usw. Ein Vertrag ist meist sehr kompliziert und in verschiedene Unterpunkte aufgeteilt, sodass man ihn sehr genau lesen sollte, bevor man ihn unterzeichnet.
Obwohl es meist nicht so aussieht, ist sehr viel frei verhandelbar und der Autor kann einige Sachen zu seinen Gunsten ändern, insbesondere, bei wem die Rechte letztendlich liegen.
Ist der Vertrag unterzeichnet, kommt das Manuskript in das Lektorat. Das ist die Abteilung des Verlages, in der es auf alle inhaltlichen und Logikfehler überprüft wird. Lektoren sind die Hauptansprechpartner für die Autoren, weil sie diese individuell betreuen.  Der Lektor hat eine gewisse Distanz und Erfahrung und sieht so Fehler, die dem Autor selbst nicht auffallen. Misslungene Vergleiche, Wiederholungen, langatmige Passagen, fehlende Lebendigkeit der Charaktere. Er macht dem Autor Vorschläge, was er ändern und wie er es ändern kann. Er korrigiert also den Text, schickt ihn immer wieder dem Autor zurück, welcher jetzt die Änderungen umsetzen muss. Größere Änderungswünsche wie das Wechseln einer Perspektive oder das Neuschreiben eines gesamten Kapitels wird im Voraus mit dem Autor diskutiert, damit eine Lösung gefunden wird. Der Autor sollte während des ganzen Überarbeitungsprozesses sein gesamtes Werk so objektiv wie möglich betrachten und vor größeren Änderungen nicht zurückschrecken. Der zweite Schritt ist das Korrektorat, in dem die finale Version auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft wird.
Anschließend werden Sachen vereinheitlicht: Werden Gedanken kursiv formatiert? Verändert sich die Schriftart bei unterschiedlichen Sichtweisen?
Der vorerst fertige Text wird jetzt in die Herstellungsabteilung übergeben, wo aus dem Manuskript eine „Fahne“ wird. Das bedeutet, es wird so in Form gebracht, dass es aussieht wie im fertigen Buch. In dieser Form ist es noch relativ einfach, erneute Änderungen vorzunehmen. Aus Zeitgründen wird dieser Schritt jedoch oft übersprungen und der Text auf „Umbruch“ gesetzt, das heißt, dass das gesamte Layout steht.
Dieser Umbruch wird erneut an den Autor gesendet und muss bis zu einem bestimmten Zeitpunkt – meist sind das zwei Wochen – durchgelesen und erneut auf kleine Fehler korrigiert werden. Satz- Tipp- oder Rechtschreibfehler sind erlaubt zu korrigieren, am Inhalt kann jetzt nichts mehr geändert werden.
Meist werden diese Umbrüche auch noch an andere Korrektoren weitergeleitet, sodass man am Ende die größtmögliche Menge an Fehlern „eliminiert“ hat. Zum Schluss werden alle Korrekturen auf ein einziges Exemplar übertragen und an den Setzer weitergeleitet, der die Fehler ausbessert. Jetzt sollte der Text druckfertig und fehlerfrei sein.

Der nächste Schritt ist schon im Anmarsch: Die Gestaltung. Ein richtiges Buch braucht natürlich einen guten Klappentext und ein vernünftiges Cover. In diesem Schritt wird auch der endgültige Titel oder Untertitel des Werkes festgelegt.  Der Titel sollte zum Buch passen und auch neugierig machen. Denn oft entscheiden potenzielle Käufer am Titel oder Cover, ob sie das Buch lesen wollen oder eben nicht. Beim Titel gibt es zu beachten, dass er noch nicht vergeben und damit durch das Urheberrecht geschützt ist. Gleichzeitig mit der Titelsuche wird der Umschlag des Buches entworfen. Es werden verschiedene Entwürfe vorgelegt, die in Absprache mit dem Autor dann überarbeitet werden. Am Ende sollte der Umschlag so gestaltet sein, dass er sowohl Autor als auch Verlag gefällt.
Der Klappentext wird in vielen Fällen von den Lektoren gestaltet, manche Verlage verlangen allerdings auch von ihren Autoren, dass diese den ersten Entwurf zum Klappentext liefern, der dann überarbeitet wird.
Da der vorläufige Erscheinungstermin meistens schon feststeht, kann das Buch dann bald gedruckt werden.

Während das Buch nun im Druck ist, kommt auf die Presseabteilung viel Arbeit zu. Der Verlag möchte, dass dieser neue Roman verkauft wird, deswegen setzt er ihn in das Verlagsprogramm, promotet ihn auf der Homepage oder schreibt Blogger oder Buchhandlungen an, um Rezensionsexemplare zu vergeben. Flyer oder Leseproben werden ausgelegt, bei größeren Verlagen werden Lesezeichen und Stifte mit dem Buchtitel hergestellt und als kleines Gimmick kostenlos verteilt. Es kommt immer auf den Verlag an, wie viel Werbung gemacht wird. Vor allem kleine Verlage haben nur ein kleines Budget zur Verfügung und sagen den Autoren, dass sie sich selbst um die Werbung und das Marketing kümmern sollen. Das ist natürlich möglich – aber mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Gut ist es immer, wenn der Autor selbst einen Blog oder eine Homepage hat und immer darauf verweisen kann. Sobald das Buch dann gedruckt ist, können Buchlesungen oder Interviewtermine organisiert werden. Neue Autoren stellen ihre Bücher meist auch auf Buchmessen vor, um bekannter zu werden und sich mit ihren Lesern zu unterhalten und auszutauschen. Eine weitere Möglichkeit ist Werbung im Fernsehen oder in Zeitungen.
Bis man als Autor sein eigenes Buch in den Händen halten kann ist es also ein langer und beschwerlicher Weg. Aber in den meisten Fällen hat es sich gelohnt.

Seid ehrlich: habt ihr gedacht, dass hinter einem einzelnen Buch so viel Arbeit steckt (die Frage richtet sich vor allem an alle Nicht-Autoren :) )

Und heute ist es auch schon soweit: die Reihe "Von der Idee zum fertigen Buch" ist zu Ende. Hat sie euch gefallen? Habt ihr Verbesserungsvorschläge oder wollt ihr zu einzelnen Themen noch separate Posts haben? Ich bin gespannt :)

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