Donnerstag, 5. Mai 2016

First Sentence Challenge

Der erste Satz. Die ersten Worte, die wir sehen, wenn wir das Buch aufschlagen. Und, um aus Erfahrung zu sprechen, meistens der Grund, weshalb ich manche Bücher kaufe - oder eben nicht.
Ich liebe es, den allerersten Satz eines Manuskriptes zu schreiben. Selbst, wenn er am Ende vielleicht doch noch geändert wird. Mittlerweile ist es aber wirklich schwer geworden, einen "neuen" ersten Satz zu finden.

Beschreibungen der Umgebung, ein neuer Morgen. Die Protagonistin öffnet die Augen. Sie sitzt vor dem Spiegel. Der Protagonist erwacht aus einem Traum oder findet sich in einem dunklen Keller, wahlweise auch einem anderen Raum wieder.
Auch ich habe früher oft auf diese Klischees zurückgegriffen, weil sie sich einfach gut als Satzanfang eignen. Denn der Sinn des ersten Satzes ist es doch, den Leser neugierig zu machen, oder nicht?

Im Folgenden zeige ich euch Sätze, die mich sofort fasziniert haben. Ich bin nicht im Besitz aller Bücher, allerdings wollte/will ich sie aufgrund des ersten Satzes lesen.



Jenny-Mai Nuyen: Noir
"Die Wirklichkeit, das ist ein Doppelzimmer in einem heruntergekommenen Business-Hotel, in dem du einen Mann erschossen hast."
Dieser Satz fasziniert mich. Vielleicht ist es die Du-Perspektive, die aus ihm etwas ganz besonderes macht, vielleicht die ersten zwei Worte. In Kombination mit dem Cover stand sofort für mich fest, dass ich das lesen musste.






Mira Grant: FEED - Viruszone
"Unsere Geschichte beginnt dort, wo zahllose Geschichten der letzten sechsundzwanzig Jahre enden: Damit, dass ein Idiot - in diesem Fall mein Bruder Shaun - es für eine gute Idee hielt, rauszugehen und mit einem Stock nach einem Zombie zu stochern, um zu sehen, was passieren würde."
Gut, das sind zwei Sätze. Schon als ich sie das erste Mal gelesen habe, habe ich gewusst, dass ich dieses Buch haben muss. Viele Infos, viele Fragen, Humor - ein perfekter Einstieg.





Thomas Finn: Der letze Paladin
"Kalte Flammen loderten über die Wände des Sternenkerkers."
Wie war das noch mit "Beschreibungen am Anfang sind langweilig"? Hier ist genau das Gegenteil der Fall. In Verbindung mit einem extrem tollen Cover hat mich dieser Satz dazu animiert, weiterzulesen. In die Tiefen des Sternenkerkers einzutauchen, denn so ein Ort ist ganz sicher alles andere als alltäglich.






Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz
"Als ich sechs Jahre alt war, sah ich einmal in einem Buch über den Urwald, das "Erlebte Geschichten" hieß, ein prächtiges Bild."
Zugegeben, ein langer erster Satz. Aber er macht neugierig und das ist doch das wichtigste, oder?








Tahereh Mafi: Ich fürchte mich nicht
"Ich bin seit 264 Tagen eingesperrt."
Und da wären wir wieder. Bei Gefangenschaft, bei Einsamkeit. Anscheinend mögen Autoren es, ihre Romane mit solchen Szenen, mit solchen Sätzen zu beginnen. Ich persönlich mag diese Sätze allerdings auch, als Leser und als Autor. Denn aus dieser Ausgangssituation kann man extrem viel machen.






Marie Graßhoff: Kernstaub - Über den Staub an Schmetterlingsflügeln
"Als hätte man sie unter Schmerzen in den harten Boden gerammt, erheben sich die verkrüppelten Gestalten bizarr verformter Stämme qualvoll ächzend aus dem Erdreich."
Wow. Ich liebe diesen Schreibstil von Marie Graßhoff, der sich übrigens so durch den gesamten Roman zieht und bewundere ihre Art, Dinge zu Beschreibungen. Poetisch, philosophisch, traumhaft. Man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.



Jenny-Mai Nuyen: Rabenmond
"Mion wollte den Fuchs nicht töten."
Allein schon dieser Name. Mion. Die Tatsache, dass dieser einzige Satz unzählige Fragen aufwirft. Dazu das tolle Cover. Gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite.









Emily St. John Mandel: Das Licht der letzten Tage
"Der König stand schwankend in einer Lache aus blauem Licht."
Ebenfalls ein Buch, das ich noch nicht gelesen habe und nur anhand von diesem Satz beurteilen kann. Allein die Lache aus blauem Licht hat es geschafft, mich zu begeistern. Ich liebe Metaphern und diese habe ich noch nie gelesen oder gehört.




Tommy Wallach: We all looked up
"Das ist nicht das Ende der Welt."
Oder vielleicht doch? Und wieso sollte es das Ende der Welt sein? We all looked up habe ich noch nicht gelesen, es mir aber fest vorgenommen. Ein Szenario, das durchaus auf der Erde passieren könnte und dann auch noch dieser erste Satz. Es geht eigentlich nicht besser, oder?







Man kann ein bestimmtes Muster erkennen. Der erste Satz wirft Fragen auf, ist wörtliche Rede oder beschreibt eine Situation, in die der Leser hineingeworfen wird. Auch Umgebungsbeschreibungen sind nicht selten.

Beurteilt ihr Bücher anhand ihrer ersten Sätze? Oder habt ihr erste Sätze, die euch besonders gut gefallen haben? Ich freue mich auf eure Antworten :)



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