Mittwoch, 1. Juni 2016

[Gedankenfetzen] Ich wollte immer ein Autor sein

Quelle: pixabay.com
Ich wollte immer ein Autor sein. Wollte schreiben bis in die Nacht, wollte Tränen vergießen für Personen, die nur in meiner Fantasie existieren. Mich in meine Kammer einschließen, umgeben von Büchern, dem Duft nach Staub, einem kleinen Fenster, durch das ein Streifen Sonnenlicht dringt. Die Schreibmaschine vor, die Kerze neben mir. Ihr Licht beleuchtet die unscheinbaren Buchstaben auf dem Papier, die aus meinem Kopf entsprungen sind.
Ich wollte ein Autor sein – Brille auf der Nase, verklärter Blick. Den ganzen Tag unterwegs, nach Inspiration suchend, nur um mich am Abend in einem kleinen Café zu verkriechen und zu schreiben. Ein Autor, der seine Ideen über Nacht bekommt, der einen Roman in kürzester Zeit fertig schreibt, ihn flugs korrigiert und veröffentlicht hat. Der vielleicht ein bisschen zu viel trinkt und ein bisschen zu viel träumt, aber das ist ok: Das bringt das Autorenleben mit sich. Ebenso wie das kreative Chaos, das überall herrscht.
Ein Haus, irgendwo im Nirgendwo, das wäre das Richtige gewesen. Fernab von der Zivilisation, nur umgeben von Natur, von dem Rauschen des Windes, der durch die Blätter fährt. Nichts machen außer schreiben, von morgens bis abends.


Kammern, Schreibmaschinen, Kerzenlicht – das Autor sein hat einen Großteil seines Charmes verloren, wurde technisiert, modernisiert. Geblieben sind die störrischen Charaktere, Schreibblockaden, Frustessen. Ein Tagesablauf, der einem das Schreiben fast unmöglich macht; alles muss schneller und besser sein, wir müssen schneller tippen, Quantität vor Qualität. Nur dann wird man erfolgreich – heißt es.
Wo ist die Leidenschaft hin?
Sie ist noch immer da, jedoch verborgen. Verborgen vor den meisten Augen derjenigen, die sich Leser nennen. Sie bekommen das Geschriebene geliefert, immer und immer wieder. Augen huschen über Zeilen, saugen Worte in sich auf. Fühlen mit, vergießen Tränen. Und der Autor? Der wird viel zu oft vergessen. Seine Anstrengungen, seine Selbstzweifel. Es wird kritisiert, aber nur wenig anerkannt. Die Leistung, die er vollbracht hat, ist etwas Besonderes, etwas, das man würdigen sollte.
Wir schreiben, weil es unsere Leidenschaft ist, fast schon unsere Bestimmung. Wir lachen, weinen, tauschen uns aus. Und obwohl alles anders ist als früher, anders, als ich mir das vorgestellt habe, liebe ich, was ich tue.
Finger, welche das Gedachte nicht einmal ansatzweise erfassen können, Worte, die nicht beschreiben können, was ich fühle. Was ich denke.

Ich will Autor sein. Will schreiben bis in die Nacht, will Tränen vergießen. Das ist es, was ich will. Die Bilder aus meinem Kopf greifbar machen, Geschichten erzählen. Und wer weiß: Vielleicht finde ich irgendwann einmal ein Haus irgendwo im Nirgendwo und ihr hört nie wieder etwas von mir. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Aber ich denke, sie wird fantastisch, wenn man die Fantasie nur zulässt.

Anmerkung: Dies sollte eigentlich ein Artikel über Klischees werden. Ist es dann am Ende nicht geworden, ich hoffe aber trotzdem, dass euch dieser Gedankenfetzen gefallen hat.

Kommentare:

  1. Sophia, der Post ist großartig geworden! Hat mir wirklich großen Spaß gemacht, ihn zu lesen und ich kann deine Worte so gut nachvollziehen! Ich hab dem echt gar nichts mehr hinzuzufügen :D

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Vielen lieben Dank, das bedeutet mir wirklich viel <3
      - Sophia

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