Mittwoch, 24. August 2016

Eine Ode an Klassiker


Faust, Nathan der Weise, Dantons Tod, The Picture of Dorian Gray.
Die meisten werden bei der Nennung dieser Titel das Gesicht verziehen.
„Uh, das musste ich mal in der Schule lesen. Schrecklich, ganz schrecklich. Lass bloß deine Finger davon.“
Solche oder ähnliche Reaktionen habe ich meistens bekommen, wenn ich erläutert habe, dass ich eines dieser Werke gerade lese. Ich habe – außer Dantons Tod – andere Lektüren in der Schule gelesen. Viel Dürrenmatt und natürlich die Sternchenthemen, die man für das Abitur können musste. Und dann, wenn ich ganz viel in meinem Gedächtnis krame, fallen mir Wilhelm Tell und Die zwölf Geschworenen ein. In der Schule kommt man schon sehr früh in Kontakt mit diesen kleinen gelben Heftchen, Reclam. Mit Geschichten, die einer zumeist seltsamen Zeit entstammen und äußert seltsam geschrieben sind; seltsam auch die Sache mit diesen Fachbegriffen bei Dramen – wer kann sich schon merken, was Peripetie, Exposition oder das retardierende Moment sind?

Ich gebe zu, auch ich habe zu der oben genannten Fraktion der „Klassiker-Hasser“ gehört. Sehr lange Zeit sogar. Ich konnte nicht wirklich etwas anfangen mit diesen kleinen gelben Heftchen, die uns die Deutschlehrer in die Hand drückten und über die wir endlose Aufsätze schreiben mussten. Bis jetzt.
Warum es sich geändert hat?
Weil ich nicht die immer gleichen Geschichten lesen will. Nicht lesen will, wie sich die immergleichen Redewendungen wiederholen. Weil ich Abwechslung brauche. Etwas neues, das ich im alten gefunden habe.
Die vielen Interpretationen, der Zwang, diese Werke lesen zu müssen, haben mir die Lust an eben jenem genommen – mich mit Werken anderer Epochen auseinanderzusetzen. Die Hintergründe zu recherchieren, neue alte Schreibstile kennenzulernen.

Ich habe mich für das mündliche Abitur mit Dürrenmatt auseinandergesetzt, habe versucht, sein Verständnis einer tragischen Komödie zu verstehen. Und war fasziniert. Das gleiche, als ich Faust zum ersten Mal aufgeschlagen habe. Vollkommen anders, vollkommen neu. Obwohl es das Werk schon so lange gibt. Die Ringparabel von Nathan der Weise haben wir sogar im Unterricht behandelt, aber eben zu kurz. Zu kurz, um sie sich einzuprägen. Zu kurz, um wirklich zu verstehen.
Ein weiterer großer Name: Oscar Wilde. Wer Märchen liebt, sollte mal einen Blick in seine Märchensammlung werfen. Ich hatte beim Lesen Gänsehaut. Wieso? Weil es kein Einheitsbrei ist. Weil die Geschichten grotesk und doch schön sind. Weil sie nicht immer ein Happy End haben. Und weil man darüber nachdenken kann, ganz frei, ohne Zwang. Die Gedanken schweifen lassen und sich sein eigenes Bild machen.
Ich habe das Neue im Alten gefunden. Und schon ein Auge auf das nächste Reclam-Heftchen geworfen. Maria Stuart, ich komme.


1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Ich habe diesen Beitrag auf meinem Blog geteilt, im Rahmen der Aktion "Stöberrunde".

    HIER ist meine Stöberrunde!

    LG,
    Mikka

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