Samstag, 31. Dezember 2016

Ein unbeschriebenes Blatt

Zoe Ra // Unsplash.com

New Year's Eve. Die Sektkorken knallen und wir stoßen an, auf ein neues Jahr. Ein neues Jahr mit neuen Ereignissen. Alte Erinnerungen verblassen, werden durch neue ersetzt. Mir wird bewusst, wie viel ich in dem vergangenen Jahr erreicht habe. Und wie viel nicht. Und für einen Moment habe ich Angst vor dem, was kommen wird.
Eigentlich ist das neue Jahr doch ein unbeschriebenes Blatt. Ich selbst kann entscheiden, was ich tue. Ich kann mein Leben formen. Kann bestimmen, in welche Richtung ich mich entwickele. Während mein Blick über das Feuerwerk schweift und Worte an mein Ohr dringen bemerke ich, dass nicht ich mich forme. Ich werde geformt. Durch Erlebnisse, durch Menschen, die mich beeinflussen. Aber das muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein.
Ich setze mich auf die Couch, ziehe die Beine an meinen Körper und umschlinge sie mit meinen Armen. Ein unbeschriebenes Blatt. Eine weiße Seite. Die Leere macht mir Angst. Ich weiß nicht, was kommen wird. Was passiert.
Was, wenn…?

Ich verdränge den Gedanken. Nichts „wenn“. Ich sollte mir keine Gedanken darüber machen, was in einigen Monaten passieren könnte. Der Konjunktiv steht in diesem Satz nicht ohne Grund. So vieles ist im vergangenen Jahr geschehen. Gutes und schlechtes. Schönes und trauriges. Ich war glücklich, habe viel gelacht. War traurig, habe geweint. Und das ist gut so. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Es kommt, wie es kommt. Nicht, wie ich es mir wünsche.

Was, wenn…?
Und dann ist er da, der eine Gedanke, vor dem ich mich gefürchtet habe – im nächsten Jahr zu versagen. Ein einziger Gedanke, der mein Gerüst aus Glück und Vorfreude zusammenstürzen lässt. Es bricht in sich zusammen, die einzelnen Streben zerbrechen, sobald sie auf dem Boden aufkommen. Ich weiß, dass ich keine Angst haben sollte, aber doch ist sie da. Jedes Jahr aufs Neue. Ich atme tief durch und beuge mich zu den Einzelteilen hinunter, sammele sie wieder auf. Sammele jedes kleine Stück, das sich in mir befindet und setze es wieder zusammen.
Ich kann nicht wissen, was passieren wird. Ich kann nicht wissen, wie mein Leben in einem Jahr aussehen wird. Ob ich glücklich sein werde. Aber ich weiß, dass ich mich darauf einlassen muss.

Ich sehe auf meine Uhr, wie der Zeiger immer weiter nach vorne rückt, unaufhaltsam. Schließe dann die Augen und lasse mich von der Leere einhüllen, heiße sie wie einen Freund willkommen. Ein unbeschriebenes Blatt. Das nur darauf wartet, mit Leben gefüllt zu werden.





Kommentare:

  1. Hey,
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    LG Benedikt von
    http://beneaboutbooks.blogspot.de/

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    1. Vielen Dank, das bedeutet mir sehr viel! :)
      Werde ich machen!
      - Sophia

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