Sonntag, 18. Juni 2017

'Nacht ohne Namen' von Jenny-Mai Nuyen


Nacht ohne Namen
Jenny-Mai Nuyen
dtv Verlag, 2015
448 Seiten

Manche Menschen sind füreinander bestimmt. So wie Nicki und Canon. Sie haben ihre eigene Welt. U-Bahnfahren in der morgengrauen Großstadt. Verstehen sich fast ohne Worte. Und doch wissen sie nicht viel voneinander. Ihre wahren Namen zum Beispiel kennen sie nicht. Und als Canon verschwindet, kommt Nicki einem noch viel größeren Geheimnis in seinem Leben auf die Spur. Denn sie teilt Canon mit einem Dämon – einem Dämon, der in üblen Schwierigkeiten steckt ...
(Quelle: dtv)

Sonntag, 11. Juni 2017

Tage ohne Hoffnung | Days Without Hope

Unsplash.com//Sean Hammond

Er ging langsam, jeder Schritt schien ihn anzustrengen. Machte sein Herz schwerer. Die Sonne brannte auf seine Haut, hinterließ dunkle Flecken, die sofort wieder heilten. Mit einer schnellen Bewegung zog er die Wasserflasche aus der Seitentasche seines Rucksacks, trank einen Schluck. Betrachtete die wenigen Wasserperlen, die verblieben waren. Wenn das so weiterging, würde er bald verdursten.
Der Gedanke stimmte ihn traurig, konnte aber nicht die Leere füllen, die in seinem Inneren herrschte. Er steckte die Flasche zurück, atmete tief ein. Und aus.
Dann ging er weiter, bezwang die Sanddünen vor sich. Spürte die kleinen Körner in seinen Schuhen, die ihm so fremd vorkamen. Wie lange er wohl noch laufen musste?
Das Licht des Tages verging langsam und der Mond setzte sich an seinen angestammten Platz am Himmel, beobachtete den jungen Mann mit müden Augen. Deine Mission ist sinnlos.
Aber er konnte die Stimme des Himmels nicht hören, setzte seinen Weg fort. Ein kühler Wind traf ihn und er fröstelte, die Härchen auf seinen Armen stellten sich auf. Die schwarzen Flecken waren verschwunden, an ihre Stelle waren silberne Punkte getreten.
Eine weitere Düne, ein weiterer Schluck aus der Flasche. Das dunkle Haar klebte in seiner Stirn, aber er konnte nicht aufgeben. Durfte nicht aufgeben.
Als er den Kopf hob, sah er einen Schwarm Vögel, die in alle Richtungen davonflogen. Erst dachte er, sich die Tiere eingebildet zu haben, dann drang ihr Krächzen an sein Ohr. Seine Schritte beschleunigten sich, bis er schließlich rannte. Er rannte, und rannte und … blieb stehen.
Vor ihm erstreckte sich eine weite Fläche, von nichts anderem beleuchtet als dem Mondlicht. In der Ferne glommen die Lichter der Stadt, die er noch nie betreten hatte. Die Ruinen, welche er „Zuhause“ nannte, waren halb im Sand versunken und erstrahlten im silbernen Mondlicht.
Ein weiterer Tag ohne Hoffnung ging zu Ende.

- - -


He walked slowly, each step seemed harder than the last one. Made his heart heavier.
The sun burned onto his skin, left dark spots, which healed instantly. Quickly he pulled the water bottle out of the side pocket of his backpack and took a sip. He looked at the few pearls of water that were left. If it continued like this, he would die of thirst.
The thought made him sad but it couldn’t fill the emptiness inside his body.
He put the bottle back, inhaled. Exhaled.
Then he continued walking, conquered the sand dunes in front of him. Felt the little grains of sand in his shoes which would always remind him of home. How long would he have to keep walking?
The light of the day slowly died and the moon searched for his rightful place at the sky, watching the young man with tired eyes. Your mission is hopeless.
But he couldn’t hear the sky’s voice and kept walking. He got hit by the cold wind and he shivered, the hairs on his arms rising. The black spots had disappeared, silver dots appeared in their places instead.
Another sand dune, another sip of the water. The dark hair stuck to his forehead but he wouldn’t surrender. Wasn’t allowed to surrender.
When he lifted his head, he saw black birds rising to the sky, flying in all directions. At first he thought that the animals weren’t real, then he heard them croaking. He walked faster, began to run. He ran and ran and ran and … stopped.
In front of him stretched a far area, illuminated by nothing but the moonlight. Far away glowed the lights of a city he never entered. The ruins which he called “home” were half immersed into the sand and sparkled in the silver moonlight.
Another day without hope ended.


Sonntag, 4. Juni 2017

the untold story

Unsplash.com // Jakob Owens

Down the road.
On my feet again.
Pain in my
head
arms
fingers.
My body.

Irreplaceable. 
Irreparable. 
Unique.
Not anymore.

Thin lines,
green
red
black.
On my
skin
in my
eyes.

Showing you the untold story.

Sonntag, 28. Mai 2017

'Book of Lies' von Teri Terry


Book of Lies
Teri Terry
Orchard Books, 2016
352 Seiten

Piper und Quinn sind Zwillinge, aber sie wissen nichts voneinander. Während Piper bei ihren Eltern in einem wohlhabenderen Viertel Wincesters lebt und alles bekommt, was sie sich wünscht, wächst Quinn bei ihrer Großmutter in einer Hütte im Wald auf. Die beiden treffen aufeinander, als ihre gemeinsame Mutter auf tragische Weise stirbt und kommen einem Fluch auf die Spur, der ihre Familie seit Jahrhunderten umgibt. Denn einer der beiden wird von Dunkelheit kontrolliert und wenn diese losbricht, ist niemand mehr sicher…

Sonntag, 14. Mai 2017

"Champion" von Marie Lu


Champion
Marie Lu
Penguin Books, 2013
368 Seiten
Während June an der Seite des Herrschers Anden ist, hat Day mit seiner Krankheit zu kämpfen. Das Land ist kurz davor, im Frieden vereint zu werden – doch plötzlich bricht eine Seuche aus und die Kolonien machen die Republik dafür verantwortlich. Als die Situation zu eskalieren droht, werden Day und June wieder zusammengebracht und es stellt sich heraus: Sie allein weiß, wer das Land vor dem Krieg retten kann. Aber dazu muss sie alles und jeden aufgeben, den sie liebt. 

Sonntag, 7. Mai 2017

Day One | Interstellar

© Sophia Suckel
Lass uns die Zeit zurückdrehen. In Erinnerungen schwelgen und sie lebendig werden lassen. Lass uns Verlorenes wiederfinden und Vergangenes zurückbringen. Alles Falsche richtigstellen, alles Richtige überdenken. Besinnen wir uns auf das, was wichtig ist. Auf das, was wir einmal träumten aber niemals wagten. Schlagen wir einen anderen Weg ein, durchbrechen die Zeitlinie. Weil es egal ist. Das ist es doch, oder?
Wage. Träume. Sei mutig. Tu all das, für was du keine Zeit hattest. Das du nicht tun wolltest, aus Angst. Überwinde Grenzen, erschaffe neue Erinnerungen. Eine neue Zeitlinie. Für dich, für mich.
Ein neuer Anfang, ein neues Ende. Nicht alles wird gut werden, das weißt du. Das wissen wir beide. Aber du musst es versuchen.

~

Verloren. Da stehe ich nun, von nichts umgeben als Sand. Worte, die in meinen Ohren verklingen. Als ob es gestern gewesen wäre. Und doch ist es Jahre her. Jahrzehnte. Ich habe aufgehört, zu zählen. Habe aufgehört, mich darum zu kümmern. Zeit ist unbedeutend geworden. Wenn man allein ist, fühlt sich jeder Tag an wie eine Ewigkeit.
Sie haben mich nicht im Stich gelassen. Ich weiß es, und doch kann ich es nicht einsehen. Will es nicht einsehen. Wenn ich in den Spiegel blicke, erkenne ich ihre Gesichter. Die mich einhüllen, vereinnahmen und nicht vergehen wollen. Ich habe versagt. Wir haben versagt. Es gibt hier nichts mehr zu tun, und doch möchte ich nicht warten, bis ich gerettet werde. Irgendwann. Vielleicht auch nie. Es erscheint mir sinnlos, trotzdem stehe ich hier. Jeden Tag bei Sonnenuntergang. Und warte. und warte. undwarte.

Sonntag, 30. April 2017

Sternentheater

Diego Hernandez // Unsplash.com

Ihre Finger ertasteten das Gras unter sich, sie seufzte leise. Ein kurzer Moment des Wartens, dann öffnete sie die Augen.
Es war das erste Mal seit Langem, dass sie sich hier befand. Draußen, umgeben von nichts als Natur. Keine Wände, die sie einengten, keine Menschen, die ihr alles abverlangten. Nur Stille. Und der Nachthimmel, dessen Sterne über ihr thronten.
Ihr Blick glitt über die Sternbilder, sie begrüßte jeden einzelnen hellen Punkt mit einem leichten Nicken. Eine zeitintensive Aufgabe, die jedoch obligatorisch war. Sonst würde es sich so anfühlen, als sei sie an ihren Freunden vorbeigegangen, ohne sie zu beachten. Als sie ihren Kopf senkte und für einen Augenblick die Dunkelheit um sich herum wahrnahm, lief ihr ein Schauer über den Rücken. Doch sie liebte die Sterne zu sehr, um die Nacht zu fürchten.

Still lag sie da, lauschte in die Stille hinein, die Augen auf den Himmel fixiert. Eine kaum wahrnehmbare Bewegung am Rande ihres Blickfelds, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie drehte den Kopf, konnte gerade noch die erste Sternschnuppe erhaschen, die sich ihren Weg durch die Dunkelheit suchte, einen Schweif aus Staub hinter sich herziehend. Wünsch dir was.
Die Worte drangen an ihr Ohr und obwohl sie wusste, dass sie ganz allein war, verkrampften sich ihre Hände. Ihr Herz, das eben noch so leicht wie eine Feder war, wurde von Schwermut erfasst, der erst verging, als eine zweite Sternschnuppe den Himmel erleuchtete. Sie sah erneut nach oben, verlor sich in dem Anblick. Immer mehr Sterne begannen, sich zu bewegen. Zu tanzen, als ob sie noch nie etwas anderes getan hätten. Langsame Bewegungen, die immer schneller wurden. Kreise, Gesichter. Menschen, die sie einmal gekannt hatte. Silhouetten von Personen, die sie bewunderte. Die Sterne verdichteten sich zu einem Haufen und sie spürte plötzlich die Bedrohung, die von ihm auszugehen schien. Eine Bedrohung, die sie zuvor nicht wahrgenommen hatte. Der Tanz stoppte erst, als sie ihre Hand zum Himmel streckte. Mitten in der Bewegung hielten die Lichter inne, als wäre sie ihre Dirigentin. Es war Zeit, zurückzugehen.
Ihre filigranen Finger bewegten sich nur leicht, doch die Sterne gehorchten sofort, verließen ihren Platz am Himmel und strömten auf ihre Haut, suchten sich eine der leeren Stellen, die es zu füllen galt. Sie spürte nicht mehr als ein Kribbeln, während auch der hellste Stern sich ihrer Bitte fügte und zu ihr kam, die Leere auf der Mitte ihrer Stirn füllte. Mit langsamen, fast vorsichtigen Bewegungen erhob sie sich, fixierte die ersten Sonnenstrahlen am Horizont, die langsam aus ihrem Käfig gekrochen kamen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, sie strich für einen Augenblick gedankenverloren über ihre mit Sternen bedeckten Arme. Ein weiterer unerfüllter Wunsch. Sie konnte es nicht ändern. Drehte sich um die eigene Achse und verschwand.
Das Sternentheater war zu Ende.

Sonntag, 23. April 2017

"Der Winter erwacht | Wenn der Sommer" stirbt von C.L. Wilson



Der Winter erwacht | Wenn der Sommer stirbt
C.L. Wilson
Bastei Lübbe, 2015
385 Seiten | 417 Seiten


Zwischen Sommergrund und Winterfels herrscht Krieg. Um den Frieden herbeizuführen fordert König Wynter von Winterfels eine Hochzeit zwischen sich und einer der drei Prinzessinnen Sommergrunds. Was er nicht weiß: Es gibt noch eine vierte Prinzessin, Chamsin. Sie wird von ihrem Vater verachtet, da sie störrisch und eigensinnig ist. Sie wird gegen ihren Willen mit Wynter vermählt, muss sich aber eingestehen, dass er gar nicht so kaltherzig ist, wie sie zuvor dachte. Aber auf ihm liegt ein schrecklicher Fluch, von dem nur Chamsin ihn befreien kann.

Sonntag, 16. April 2017

"Prodigy" von Marie Lu


PRODIGY
Marie Lu
Penguin Books, 2013
371 Seiten


PRODIGY ist der zweite Band einer Trilogie. Hier kommt ihr zur Rezension des ersten Bandes.

Der alte Elector ist tot – lang lebe der neue Elector Anden! Auf der Flucht vor der Republik schließen sich June und Day den Patrioten an, um Days Bruder zu retten und in die Kolonien zu entkommen. Doch die Patrioten fordern eine Gegenleistung: Aber June bemerkt immer mehr, dass Anden nicht so ist wie sein Vater. Dass er sich um das Volk sorgt und mit Day zusammenarbeiten will. Was, wenn die Patrioten falschliegen?

Sonntag, 9. April 2017

Eine Tasche voller Zweifel

Unsplash.com // Derick Anies

Er sitzt im Schatten des Torbogens, spürt die Kälte der Steine durch seine Hose hindurch. Mit einer Hand hält er die Tasche umklammert, die Tasche, die er schon so lange mit sich herumträgt. Seine Finger ertasten das verworrene Muster, das in den Stoff eingewebt ist, er fährt die Linien nach. Fühlt sich sofort wieder zurückversetzt an den Tag, an dem er sie das erste Mal nutzte.
Menschen gehen an ihm vorüber, beachten ihn nicht. Er weiß, dass er nur diese eine Chance hat, und doch zögert er. Weiß nicht, ob er sich von ihr trennen kann.
Noch nicht.
Schließlich gibt er sich einen Ruck und steht auf. Schlurft aus dem Schatten, sein schlechtes Bein hinter sich herziehend. Dort, am Brunnen, ist der perfekte Platz. Seine dürre Gestalt schiebt sich durch die Menschenmenge, er achtet penibel darauf, keinen der anderen zu berühren. Hält den Blick gesenkt, möchte sie nicht ansehen. Nicht ihren Duft riechen, das Parfum, das den Gestank überdecken soll. Seine Finger graben sich in den Stoff, nur noch wenige Meter. Als er den Brunnen erreicht hat und sich auf den Rand setzt, spürt er die feinen Wassertropfen auf seinem Gesicht. Erfrischend, aber kalt. Sein Herz verkrampft sich, während er die Tasche vor sich auf den Boden stellt. Sie anstarrt.
Tue ich das Richtige?

Der Gedanke überkommt ihn so plötzlich, dass er sich zusammenkrümmt. Nur für einen kurzen Moment, aber dieser Moment reicht, um zu sehen, dass andere ihn beobachten. Bisher war er so sehr auf seine Tasche fixiert gewesen, dass er es nicht wahrgenommen hat. Renn weg. Eine fremde Stimme in seinem Kopf. Ein Befehl, dem er folgt. Seine Hände lassen die Tasche los und er geht den selben Weg zurück, den er gekommen ist. Spürt bei jedem Schritt, wie die Last mehr und mehr von seinen Schultern genommen wird. Als er sich wieder unter den Torbogen setzt, fühlt er sich befreit. Kann freier atmen. Ein leichtes Lächeln umspielt seine Mundwinkel, er blendet alles um sich herum aus, konzentriert sich nur auf sein Inneres. Leere. Aber eine angenehme Leere.
Hoffnungsvoll schlägt er die Augen auf, sein Blick irrt zwischen den Menschen hin und her, bevor er an der Tasche hängenbleibt. Seiner Tasche. Noch.
Er verschränkt die Arme vor der Brust und wartet. Die Sonne geht langsam unter, ihre Strahlen erreichen den Platz nicht mehr, tauchen ihn in dämmriges Licht. Kaum jemand ist unterwegs, hin und wieder dringt Gelächter an sein Ohr. Er beachtet es nicht, konzentriert sich ganz auf den Gegenstand, der da am Brunnen liegt. Mit jeder Minute, die verstreicht, kriecht die Kälte tiefer in seine Knochen, vereinnahmt ihn. Sein Geist wird immer schwerer, sein Herz jedoch ist leicht. Leichter als zuvor.
Bevor die Kälte sein Gesicht erreicht, nimmt er eine Bewegung wahr. Ein Schatten, der aus der Dunkelheit kommt und auf den Brunnen zugeht. Nein, nicht auf den Brunnen. Auf die Tasche.
Die Müdigkeit wird von Aufregung verdrängt, er verschränkt seine Hände ineinander. Damit sie nicht zittern. Der Brunnen wird von einer einzigen Laterne erhellt, als der Schatten darunter hindurchhuscht, sieht er dessen Gesicht. Sein Herz gefriert. Ein Kind.

Er möchte aufspringen, möchte etwas rufen, eine Warnung, aber sein Körper gehorcht ihm nicht mehr. Tränen der Wut rinnen über seine runzeligen Wangen. Ausgerechnet ein Kind. Auch er war ein Kind, als er die Tasche bekommen hatte. Weil er es nicht besser wusste. Weil der Hunger ihn wahnsinnig machte.
Das Kind schleicht um den Brunnen herum, hält ein wenig Abstand zu der Tasche. Als ob von ihr etwas Böses ausginge. Dann jedoch kann es der Versuchung nicht widerstehen, setzt sich an den Brunnenrand, wie auch er zuvor. Umschließt die Tasche mit beiden Händen. Fährt mit den Fingerspitzen über die Muster. Er muss die Bewegungen nicht sehen, kann sie erahnen. Er schließt die Augen, atmet tief ein. Und aus.
Als er die Augen wieder öffnet, ist das Kind verschwunden.
Die Tasche voller Zweifel hat seinen neuen Besitzer gefunden.

Sonntag, 2. April 2017

marmorhaut

Unsplash.com // Felipe Elioenay
Ich sehe.
Sehe durch mich hindurch,
weiß nicht, wer du bist.
Was du bist.
Träumer.

Wie lange hat es
dich
schon in meinem Inneren gegeben?
Wie lange schon
besitzt du diese Macht?
Unbezähmbar.

Blau, schimmernd.
Kleine Striche,
beinah wie von 
Kindern gemalt.
Chaotisch.
Unordentlich.
Wie lange?

Ich verstehe dich
nicht.
Du aber
manipulierst.
Gedanken. 
Und mehr.

Ich weiß, dass ich
dich akzeptieren soll.
Muss.
Aber es ist schwer.

Sprich zu mir.
Hilf mir.
Stille im Inneren.
Keine Hilfe.
Keine Stimme.
Leere.

Und Einsamkeit.



Sonntag, 26. März 2017

Wer ich bin

Unsplash.com // Ameen Fahmy

Wer ich bin?

Sie lacht.

Ich bin die Sonne und der Mond. Ich bin das Feuer und das Wasser.
Die Freude, die dein Innerstes mit einer wohligen Wärme erfüllt.

Sie erfreut sich an meiner Verwirrung und fährt fort.

Der Hass, der deine Seele zerfrisst und sich in deinem Herzen einnistet.
Die Fesseln, welche deine tiefsten Geheimnisse binden und die Schlüssel, die Türen zu neuen Gedanken öffnen.
Ich lebte schon lange vor deiner Geburt und werde auch dann noch leben, wenn du längst zu Staub zerfallen bist. Ich überdauere die meisten Menschen, weißt du?

Ein verschmitzter Ausdruck tritt auf ihr Gesicht und sie tippt mir auf die Brust.

Ich möchte dich nicht verletzen. Ich möchte dir nur zeigen, dass du verletzbar bist. Wir alle sind verletzbar. Sei es durch Klingen oder durch Worte. Die dich bis ins Mark treffen und dich zweifeln lassen.

Sie tritt einen Schritt zurück, die Straßenlampe über uns flackert.

Lass nicht zu, dass sie dich verletzen. Sei stark.

Damit dreht sie sich um und wird von den Schatten verschluckt. Und als ich nach unten schaue, befindet sich zu meinen Füßen eine Pfütze, darin mein eigenes Spiegelbild, das ich so lange nicht mehr wahrnehmen konnte.

Sonntag, 19. März 2017

"Die Feuerkämpferin - Im Land der Elfen" von Licia Troisi




Die Feuerkämpferin – Im Land der Elfen
Licia Troisi
HEYNE, 2013
498 Seiten


Die Feuerkämpferin – Im Land der Elfen ist der dritte Band einer Trilogie. Spoiler sind enthalten. Hier kommt ihr zur Rezension des ersten Bandes.






"Die Aufgetauchte Welt wird von den Elfen überrannt, niemand kann gegen sie vorgehen. Adhara ist auf der Suche nach Amhal, als sie von den Elfen gefangen genommen wird. In der Elfenkämpferin Shyra findet sie eine Verbündete und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Eremiten Meriph, der ihr offenbaren soll, wie der Elfenkönig besiegt werden soll."

Sonntag, 12. März 2017

Von Abschieden und Anfängen

Unsplash.com // Justin Roy


Ich sitze hier und starre auf die Unterlagen in meiner Hand. Immatrikulation. Am Montag werde ich die Hochschule betreten und sie hoffentlich erst wieder verlassen, wenn ich meinen Bachelor habe. Ich habe zwölf Jahre Schulzeit hinter mir, da sollten drei Jahre Uni ein Klacks sein. Ich habe so viel durchgestanden, gute Noten geschrieben, schlechte Noten geschrieben. Freunde gefunden.
Aber weißt du was? Ich habe trotzdem Angst. Ich bin nervös. So unglaublich nervös, weil ich nicht weiß, was mich erwartet.
Es ist erst ein Jahr her, dass ich mich von der Schule verabschiedet habe. Erst einige Monate, dass ich Irland hinter mir gelassen habe. Einige Wochen, die seit meinem Praktikum vergangen sind. Ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin, mich auf etwas Neues einzulassen. Es ist eigentlich paradox – ich habe mir während der Schulzeit so oft gewünscht, endlich etwas zu machen, was meinen Interessen entspricht. Etwas zu machen, das mir Spaß macht. Und all das verspricht mein Studiengang. Und doch … Ich starre in die Leere vor mir, weiß nichts mit mir anzufangen.
Vielleicht ist es ganz gut, dass ich ins kalte Wasser geworfen werde. Dass ich nicht weiß, was mich erwartet. Aber der Abschied fällt mir schwer. Ein Lebensabschnitt, der zwölf Jahre meines Lebens umfasst hat, ist vorbei. Einfach so. Ich bin gerne zur Schule gegangen, trotz allem. Auch, wenn es nicht immer einfach war. Ich war gerne in Irland. Ich habe das Land lieben gelernt und obwohl nicht alles so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, bin ich an den Erlebnissen gewachsen. Und dann das Praktikum. Ich habe es geliebt. Bin gerne aufgestanden, zur Arbeit gefahren und war erst wieder Zuhause, als es schon dunkel geworden ist. Ich hätte noch länger dort arbeiten können – aber es war nur ein Praktikum. Keine feste Anstellung. Ich habe nur mein Abitur, keine Ausbildung, kein Studium. Und deswegen musste ich loslassen, Abschied nehmen, so schwer es mir auch gefallen ist.
Während ich das hier schreibe, merke ich, dass ich mich doch freue. Die Vorfreude war so sehr unter der Angst verborgen, dass ich sie nicht wahrgenommen habe. Ich freue mich auf die Hochschule, auf die neuen Leute, die ich kennenlernen werde, auf die Erfahrungen, die ich machen kann. Es ist etwas gänzlich neues, ein neuer Anfang. Ein Anfang, der mir ein wenig Angst bereitet. Aber ich weiß, dass es ein guter Anfang ist.

Sonntag, 5. März 2017

"Die Feuerkämpferin - Tochter des Blutes" von Licia Troisi






Die Feuerkämpferin – Tochter des Blutes
Licia Troisi
HEYNE, 2012
407 Seiten

Kaufen?!

Die Feuerkämpferin – Tochter des Blutes ist der zweite Band einer Trilogie. Spoiler sind enthalten. Hier kommt ihr zur Rezension des ersten Bandes.






"Die Bedrohung durch die Elfen nimmt weiter zu– die Zukunft der Aufgetauchten Welt scheint verloren. Nur Adhara, die Feuerkämpferin, kann sie retten, doch sie ist von einer seltsamen Krankheit befallen, welche ihren gesamten Arm befallen hat und sie kampfunfähig macht. Nur Adrass, der Priester, mit dem alles begonnen hat, kann sie heilen. Dazu benötigt er einen verbotenen Zauber, der sich in einer geheimen Bibliothek befindet. Eine gefährliche Suche beginnt."

Sonntag, 26. Februar 2017

Ein Hauch von Zimt

Unsplash.com // Andrew Neel
Sie schreitet durch die Dunkelheit, der Saum des hellen Kleides wird von Dornen durchstochen. Ihre Arme liegen locker an beiden Seiten ihres Körpers, streichen hin und wieder durch das helle Haar. Zweige und Äste machen Platz, sobald sie die Gestalt erblicken, welche sich ihren Weg durch das Dickicht bahnt. Ich folge ihr schon lange, und doch erkenne ich jetzt erst das filigrane Instrument, das sie in der linken Hand hält. Eine Geige.
Für einen kurzen Moment bleibt sie stehen und sieht sich um, ich verharre ebenfalls in meiner Position. Ich sehe ihr Gesicht nicht, kann mir aber vorstellen, dass ein Lächeln ihre Lippen umspielt. Ein grausames Lächeln.

Mit langsamen Schritten geht sie weiter, ich achte penibel darauf, nicht auf die Zweige zu treten, die auf dem Trampelpfad liegen. Noch hat sie mich nicht bemerkt.
Das Mondlicht beleuchtet die knorrigen Äste der Eichen, die sich zu beiden Seiten befinden und eine Art Allee bilden. Wir sind bald da. Ich trete aus dem Schatten des Dickichts und husche von Baum zu Baum, drücke mich an die harte Rinde. Ich nehme ihren Geruch wahr, schließe die Augen. Sauge ihn ein. Erinnere mich an unsere gemeinsame Zeit. Als ich die Augen wieder öffne, ist der Abstand zwischen uns gewachsen. Sie wird schneller, scheint es kaum noch erwarten zu können. Als die Bäume sich lichten, erkenne ich einen Lichtschimmer. Eine Art Nebel, durch den Licht dringt. Erst, als sie fast damit verschmilzt, verlasse ich meine Deckung und beginne zu rennen. Der Nebel wird immer dichter, breitet sich aus. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich das Licht und strecke meine Hand danach aus. Spüre sofort die Wärme, die mich erfasst. Es ist, als ob mein Körper auseinandergerissen wird, in seine einzelnen Partikel. Als ob sich Seele und Körper spalten, ich nicht mehr denken kann. Nicht mehr fühlen. Erst, als meine Füße auf hartem Asphalt Halt finden, werde ich wieder zusammengesetzt. Seele und Körper ergänzen sich und ich bin wieder ich.

Mit einer schnellen Bewegung streiche ich mir den Staub von der dunklen Kleidung, sehe dann auf. Erkenne ihre Gestalt, die sich nur wenige Meter vor mir befindet. Sie hat ihr Gesicht mir zugewendet, ich sehe zum ersten Mal die Spuren der Krankheit auf ihrer Haut: Schwarze Striche, die in einem scheinbar unregelmäßigen Muster angeordnet sind und sich von ihren Augen über die Nase ziehen. Eine Landkarte ihres Weges, den sie schon zurückgelegt hat. Mit jedem Strich, der hinzukommt, nimmt ihre Wut zu. Ihre Raserei. Und ich kann nichts dagegen tun.
„Wieso folgst du mir?“ Ihre Stimme schneidet durch die Luft, sie hat die Geige erhoben. Erstaunlicherweise habe ich keine Angst. Ich habe sie so lange verfolgt, sie so lange begleitet, dass sie fast zu einer Freundin geworden ist.
„Ich möchte dir helfen.“ Die Worte kommen über meine Lippen, bevor ich überhaupt nachgedacht habe. Sie verklingen und lassen Stille zurück. Ihre Hände verkrampfen und ich erkenne, wie sich ein leuchtender Bogen formt, ein Bogen, der die Macht besitzt, ganze Völker zu unterwerfen. Wenn sie ihn an das Instrument setzt und einen einzigen Ton spielt, bin ich verloren. Aber nichts passiert. Nur undeutlich kann ich sehen, wie sich ein weiterer Strich auf ihrem Gesicht formt, die Lücke zwischen zwei anderen Strichen schließt. Sie scheint hin und hergerissen, legt dann den Kopf in den Nacken. Fixiert mich Sekunden später erneut.

„Du kannst mich nicht retten. Niemand kann mich retten.“ Es klingt verbittert. Als sie die Geige noch höher hebt, sie auf ihre Schulter legt, klimpern die Goldreife an ihren Armen. „Wir teilen das gleiche Schicksal. Ich bin ihm entflohen, kann meinen eigenen Weg gehen. Aber du stehst noch in seinem Bann.“ Ich habe nicht mehr viel Zeit. Sie stößt ein kurzes Lachen aus, einen hohen Laut, der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. „Siehst du nicht, dass auch du deinem Schicksal folgst? Dein Schicksal ist es, hier zu stehen. Dich mir zu stellen. Wir beide sind gefangen und werden niemals frei sein.“ Das helle Haar scheint eine Nuance dunkler zu werden, wird schließlich von dunklen Strähnen durchzogen. „Es tut mir leid.“

Bevor ich sie daran hindern kann, setzt sie den Bogen aus Licht an die Saiten. Diese beginnen zu schwingen und der Ton wird immer lauter, vereinnahmt mich. Meine Gedanken verschwinden, ebenso wie meine Erinnerungen. Ich sinke auf meine Knie, bedecke meine Ohren mit den Handflächen, schließe die Augen. Kneife sie so fest zusammen, dass es schmerzt.
Als ich sie nach einer Unendlichkeit wieder öffne, bin ich allein. Ich sitze in der Mitte eines kreisrunden Platzes, von dem unzählige Wege abgehen. Langsam stehe ich auf, drehe mich einmal um die eigene Achse.

Ich laufe einige Schritte nach vorne, bleibe dann stehen. Hebe die Hand, stoße aber auf keinen Widerstand. Niemand ist hier. Und doch habe ich das Gefühl, etwas verloren zu haben. Jemanden verloren zu haben. Eine Freundin. Immer, wenn ich den Gedanken fassen möchte, verblasst er ein wenig mehr. Sie. Eine Gestalt, die sich vor meinen Augen formt. Undeutlich, schemenhaft. Sie ist Vergangenheit. Von allen vergessen. Und alles, was mir bleibt, ist ihr Geruch. Ein Geruch, den ich auch jetzt rieche. Ein Hauch von Zimt.

Sonntag, 19. Februar 2017

"Die Feuerkämpferin" - Im Bann der Wächter von Licia Troisi


Die Feuerkämpferin - Im Bann der Wächter
Licia Troisi
HEYNE, 2010
507 Seiten

„Der Untergang droht. Eine mysteriöse Krankheit droht alle Bewohner der Aufgetauchten Welt auszurotten. Einzig Adhara, die Nymphenblut in ihren Adern trägt, verheißt Rettung. Gemeinsam mit ihrem Gefährten, dem Drachenritter Amhal, macht sie sich auf den gefahrvollen Weg ins Feindesland. Wird es ihr gelingen, das Böse abzuwenden? Wird sie die Welt retten können?“ * 

Sonntag, 12. Februar 2017

Studie einer Lesenden

Unsplash.com // Mariana Vusiatytska
Sie sitzt auf der Parkbank, die Kapuze zurückgeschlagen, den Rucksack auf dem Boden abgestellt. Um den roten Stoff herum befindet sich eine Pfütze vom letzten Regenschauer. Ihr Rücken ist gebeugt, der Kopf nach unten gerichtet. Mit den Augen fixiert sie das Buch, das sie in einer Hand hält. Der Daumen drückt die Seiten auf, die übrigen Finger halten den Buchrücken fest. Ihre Fingerknöchel treten weißlich hervor, sie nimmt jetzt die andere Hand dazu, um eine Seite umzublättern. Langsam, fast zärtlich. Als sie von einem Windstoß erfasst wird, schlägt sie das Buch schnell zu, nur der Daumen verbleibt auf seiner Position. Ein kurzer Blick nach oben, in den Himmel, ihre Augenbrauen ziehen sich zusammen, die Lippen sind zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Der Wind verschwindet und ihre Schultern senken sich wieder. 

Sie öffnet das Buch erneut, hält es dieses Mal mit beiden Händen. Die rot lackierten Fingernägel heben sich von dem dunklen Bucheinband ab, an ihrem rechten Zeigefinger befindet sich ein goldener Knöchelring.
Sie verlagert ihr Gewicht, schlägt das rechte Bein über das linke und lehnt sich hinten an der Parkbank an. Ihre Augen huschen über die Zeilen, sie blättert eine Seite weiter. Streicht sich nur wenige Sekunden später mit der gleichen Hand durch das Haar, um eine Strähne aus ihrem Gesicht zu wischen. Das Buch wird nur noch von ihrer linken Hand gehalten, da sind sie wieder, die weißen Fingerknöchel. 
Sie beißt sich auf die Lippe, hat den Mund leicht geöffnet. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht ist nicht zu deuten, ihre Züge scheinen aus Marmor zu sein, versteinert. Eine weitere Seite, die umgeblättert wird. Ein Lächeln, das die Spannung aus ihrem Gesicht vertreibt. Kleine Falten bilden sich um ihre Mundwinkel und sie blättert zurück, dann wieder zur vorherigen Stelle. 
Sie atmet tief durch, krempelt dann die Bluse an ihrem linken Arm nach oben. Wirft einen kurzer Blick auf die Uhr.

Jetzt geht alles ganz schnell. Das Buch wird zugeschlagen, aber nicht, bevor sie das schwarze Lesebändchen in die Seite gelegt hat. Mit einer schnellen Bewegung nimmt sie die Tasche auf den Schoß, bemerkt, dass die Unterseite nass ist und stößt einen Fluch aus. Verstaut das Buch darin, schließt den Reißverschluss. Steht auf, schultert den Rucksack. Auf ihrem Rock ist ein dunkler Fleck zu sehen, das Wasser vom Boden. Sie überlegt es sich anders, schlüpft aus der dunklen Jacke, bindet sie sich um die Hüfte und beginnt zu rennen. 
An mir vorbei, ohne mich wahrzunehmen. Der Blick verträumt, der Kopf noch gefangen in der Geschichte.

Sonntag, 5. Februar 2017

"Legend" von Marie Lu


LEGEND
Marie Lu
Penguin Books, 2011
295 Seiten


„Junes Bruder wurde getötet – von Day, dem meistgesuchtesten Verbrecher der Republik. Der Wunsch nach Rache führt sie auf seine Spur, denn sie ist ausgebildet zum Aufspüren von Regimegegnern. Doch Day ist nicht so, wie June ihn sich vorgestellt hat – er ist selbstlos, loyal. Und sie beginnt, Gefühle für ihn zu entwickeln.
Hat er wirklich ihren Bruder getötet? Fast zu spät erkennen die beiden, dass sie Spielfiguren in einem perfiden Spiel sind.“

Dienstag, 31. Januar 2017

#Autorenwahnsinn - Woche 4


Tag 23: Allgemeine Inspiration.
Alles. So einfach ist das. Wenn ich Musik höre, wenn ich etwas lese. Serien schaue. Fotografie. Meine Umgebung, also Landschaften oder auch Menschen beobachte. Wenn ich zulasse, dass ich inspiriert werde, dann werde ich von absolut allem inspiriert. Zuletzt hat mich Sherlock inspiriert.

Tag 24: WIP – Work in Progress.
Mein aktuelles Projekt ist ATLAS. Ein Projekt, das immer mehr zum Herzensprojekt wird, obwohl ich seit Ewigkeiten nicht mehr daran gearbeitet habe. Aber immer, wenn ich es wieder durchlese, merke ich, wie anders es ist als alles, was ich sonst schreibe. Und wie sehr ich das liebe!
Es ist sehr schwer zu beschreiben, da es so kompliziert ist, nur soviel: Zwei verschiedene Welten, Philosophie und nur fünf Charaktere - naja, vielleicht auch zehn.

Donnerstag, 26. Januar 2017

"Incarceron" von Catherine Fisher


INCARCERON
Catherine Fisher
Firebirdbooks, 2007
442 Seiten


„Finn wächst in Incarceron auf, einem Gefängnis mit riesigen Metallwäldern, endlosen Weiten und verfallenen Städten. Eine Welt voller Gewalt und Misstrauen – aus der niemand entkommen kann. Und doch kann Finn mit Claudia Kontakt aufnehmen: Sie lebt außerhalb von Incarceron und ihr Vater ist der Gefängnishüter. Doch auch ihr Leben ist nicht perfekt und so wie sie Finn zur Flucht aus dem Gefängnis verhelfen will, hilft er ihr, aus ihrem goldenen Käfig, der ihr Leben darstellt, zu entfliehen. Doch ihr größter Feind ist Incarceron selbst – denn das Gefängnis lebt und geht bis zum äußersten, um Finns Flucht zu vereiteln.“


Montag, 23. Januar 2017

31 Tage Autorenwahnsinn - Woche 3


Tag 16: Dein/e Notizbuch/bücher.


Das sind einfach viel zu viele. Auf diesem Bild sind die meisten zu sehen, aber ich weiß von mindestens einem, das ich vergessen habe. Nein, eigentlich sind es zwei. Oder drei?
Die rechten Notizbücher sind alle noch unbenutzt und warten nur darauf, beschrieben zu werden. Ich habe auch schon ein paar Ideen, mit was ich sie füllen könnte.
Die linken Notizbücher, aus denen Zettel heraushängen … Ähm, ja. Das sind die Notizbücher zu meinen Projekten. Zu jedem Projekt eines und ich weiß, ich betreibe eine ziemliche Zettelwirtschaft. 
Ich nenne es kreatives Chaos!

Sonntag, 22. Januar 2017

Hinter dem Spiegel

Alex Knight // Unsplash.com

Ich sehe euch.
Ich sehe euch alle.

Das kleine Mädchen, das eine Blume im Haar trägt und im Garten spielt. Den alten Mann, der im Sterben liegt und seinem Sohn die letzten Worte zumurmelt. Sein Gesicht ist von Falten durchzogen und ich habe mich schon oft gewünscht, sie zu berühren. Aber sobald ich meine Hände ausstrecke, oder das, was ihr als Hände bezeichnen würdet, ertaste ich nur eine glatte Glasfläche.
Du fragst dich jetzt sicherlich, wer ich bin. Ich muss dich leider enttäuschen: mein Name tut nichts zur Sache. Es würde dir nicht helfen, ihn zu kennen.
Wichtig ist nur, dass ich euch schon lange beobachte.

Ich sehe das Leid in eurer Welt. Wenn ihr euch eurer eigenen Sterblichkeit bewusst werdet, weil ihr einen geliebten Menschen verliert. Die Angst vor dem Tod. Die Verzweiflung, wenn ihr vom Leben überwältigt werdet und nicht wisst, was ihr tun sollt. Wenn ihr vor Entscheidungen steht, bei denen es kein richtig oder falsch gibt.
Kriege. Hungernöte. Naturkatastrophen.
Hass.
Ihr raubt. Ihr mordet. Ihr lügt einander an. Seid nur auf den eigenen Vorteil aus.
Aber ihr habt auch eine andere Seite.
Ich sehe genauso das Glück in eurer Welt.
Ihr kümmert euch umeinander. Helft denen, die Hilfe brauchen. Erschafft Leben. Kreiert neue Dinge. Seid kreativ.

Ihr seid sterblich. Ihr habt nur eine gewisse Zeit zur Verfügung und doch seid ihr glücklich. Weil ihr den Moment genießt. Weil ihr versucht, die Zeit zu nutzen.

Ich sehe das Mädchen, das aus dem Haus geht. Auch wenn ich ihre Gedanken, ihr Innerstes nicht kenne, weiß ich, dass sie sich unwohl fühlt. Sie hat die Kapuze hochgezogen, die Tasche an ihre Seite gepresst und den Blick gesenkt. Ich möchte sie berühren, ihr Kinn anheben, sodass ich ihr Gesicht sehen kann, aber als ich die Hand ausstrecke, berühre ich nur den Spiegel.
Sie bleibt stehen, eine zweite Person kommt auf sie zu, umarmt sie. Und da ist es: Ihr Gesicht. Sie lacht, aber das Lachen erreicht ihre Augen nicht. Sie gestikuliert, öffnet den Mund, schließt ihn wieder. Ich kann die Worte nicht verstehen. Ihr Gegenüber lächelt ebenfalls, es sieht gezwungen aus. Unnatürlich.
Wer die beiden wohl sind?

Ich habe genug gesehen, wische über die glatte Oberfläche und eure Welt verschwindet.
Ich versuche, mich auf mein eigenes Spiegelbild zu fixieren, aber es verschwimmt. Es ist mir nicht bestimmt, zu sehen, wer ich bin. Ihr wisst, wer ihr seid. Ihr entwickelt euch zu dem, was immer schon in eurem Wesen, tief in eurem Inneren gewohnt hat.

Ich bin nur das Nichts, das Augen und Ohren besitzt.

Montag, 16. Januar 2017

31 Tage Autorenwahnsinn - Woche 2



Tag 9: Ein Autor, den du bewunderst.
Uff, das ist eine schwere Frage. Ich bewundere Marie Graßhoff für ihren wahnsinnig tollen Schreibstil, ihre Kreativität und ihren Ideenreichtum. Ich bewundere Oscar Wilde für seine tollen Märchen.
Es gibt so viele Autoren, die ich bewundere, für die verschiedensten Dinge. Auch viele aus meinem Bekanntenkreis, deren unveröffentlichte Manuskripte ich wahnsinnig liebe. Und nach der letzten Schreibnacht, ist auf jeden Fall ein Autor hinzugekommen, dessen Bücher ist schon sehr lange liebe: Thomas Finn. Ein so sympathischer Mensch, der Meisterwerke erschafft.

Tag 10: Lieblingsort zum Schreiben.
Ganz klassisch mein Schreibtisch in meinem Zimmer. Lichterkette an, Laptop aufklappen, Kopfhörer in die Ohren und losschreiben. In Irland habe ich wahnsinnig gerne unten im Wohnzimmer geschrieben, neben dem Kamin. Es gab nichts besseres.

Tag 11: Lieblingsseite über das Schreiben.
Inzwischen hole ich mir nicht mehr so viele Tipps, weil ich letztes Jahr viel zu wenig Zeit hatte. Aber die Seite Schriftsteller-werden.de und das Schreibnacht-Forum kann ich wirklich nur jedem empfehlen, der sich erst seit kurzem mit dem Schreiben beschäftigt. Und auch für ‚alte Hasen‘ ist immer wieder neues und interessantes dabei.

Tag 12: Ein Zitat aus deinem letzten Manuskript.
Da gibt es einfach viel zu viele – DGdT ist mit so vielen tollen Sätzen gespickt, aber vor allem dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben:

„Schatten erzählen Geschichten, die gehört werden wollen.“

Tag 13: Entspannung nach dem Schreiben.
Eine Serie, ein Film oder ein gutes Buch. Manchmal sitze ich auch einfach nur am Laptop und schaue Youtube-Videos, bei denen ich nichts denken muss. Da ich meistens abends schreibe, gehe ich dann aber auch öfters gleich ins Bett, weil ich nach dem Schreiben immer total ausgelaugt bin.

Tag 14: Das letzte Buch, das du gelesen hast.
Sofies Welt. Ein Buch über den Sinn des Lebens, philosophische Fragen und ‚Sein oder Nicht-Sein‘. Ein sehr schönes und vor allem informatives Buch, das ich noch mehrere Male lesen möchte.

Tag 15: Ein Buch, das du jetzt liest.
Ich weiß nicht, ob man es als Buch bezeichnen kann, aber mein Vater hat mir ‚Der Papalagi – Die Reden des Südsee-Häuptlings Tuiavii aus Tiavea‘ ausgeliehen. Ein sehr skurriles Buch, das aber mehr Wahrheit enthält, als man am Anfang glauben mag.

Sonntag, 15. Januar 2017

Hinter der Maske

Nicole Mason // unsplash.com


Wie es mir geht? Gut.
Ich spreche das Wort aus, ohne nachzudenken. Ohne auf das zu hören, was in meinem Inneren vor sich geht. Es geht mir immer gut – zumindest ist es das, was ich meinen Gegenüber glauben lassen möchte. Sobald ich aus der Tür trete, streiche ich das Haar zurück. Verberge mein Gesicht unter der Kapuze, um meine Maske nicht aufsetzen zu müssen und mische mich unter die Menschen. Stimmengewirr umhüllt mich, Mädchen mit rosafarbenen Lippen und Strähnen im Haar laufen an mir vorbei. Unbewusst streiche ich durch mein eigenes Haar, ertaste die Überreste der Strähne, die ich vor einigen Wochen darin eingeflochten habe, um zu sein wie sie. Ich habe sie abgeschnitten, wollte nicht, dass sie Teil meiner Maske ist.
Sobald ich das Zentrum erreicht habe, presse ich meine Tasche an den Körper. Meinen Blick habe ich auf den Boden gerichtet, ich bahne mir meinen Weg, ohne die anderen anzusehen. Es geht gut, besser, als ich erwartet habe. Zumindest solange, bis mein Name gerufen wird.

Ich drehe mich um, sehe eine entfernte Bekannte aus der Menge auf mich zukommen. Mein Herzschlag beschleunigt sich, Stück für Stück bildet sich meine Maske. Ich schlage die Kapuze zurück, zeige mein Gesicht. Ich richte mich auf, ziehe die Mundwinkel zu einem Lächeln nach oben und umarme sie, sobald sie bei mir angekommen ist. Sie riecht nach Zimt, ein Geruch, den ich nicht ausstehen kann. „Du riechst gut. Neues Shampoo?“, frage ich und sie lächelt, bedankt sich artig. „Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen, wir sollten uns mal wieder treffen.“
Ich möchte sagen „Ich habe dich nicht vermisst, wir waren noch nie gute Freundinnen, haben uns nie gut verstanden. Wieso willst du dich mit mir treffen?“, stattdessen antworte ich: „Sehr gerne. Wir können auch noch die anderen fragen, sie wären bestimmt begeistert.“
Die anderen. Wer damit gemeint ist, ist nicht einmal für mich klar. Vielleicht die alte Clique, die Freunde, mit denen ich mich vor vielen Jahren einmal verstanden habe. Jetzt haben wir uns auseinandergelebt und ich möchte nichts mehr mit ihnen zu tun haben. „Wie wäre es nächsten Montag? Da bin ich sowieso in der Stadt.“
Das Lächeln ist auf meinem Gesicht festgefroren, ich nicke. „Gerne.“
Ich weiß jetzt schon, dass ich nicht erscheinen werde. Eine Ausrede suchen werde. Falls ich erscheine, werde ich hinter meiner Maske bleiben. Nichts sagen von meinen neuen Interessen, meinen neuen Freunden. Ich werde mich im Hintergrund halten und aufmerksam zuhören. Vermutlich nur, um festzustellen, wie unterschiedlich wir alle geworden sind.

„Du hast dich gar nicht verändert.“ Sie stößt ein Lachen aus und für einen Moment beginnt meine Maske zu bröckeln. Sie kann nicht erkennen, was sich dahinter befindet. Ich lasse es nicht zu. Aber ich bin nicht mehr diejenige, die ich vor ein paar Jahren war. Wenn sie das wüsste, würde sie sich nicht mehr mit mir abgeben. Damals hat sie auf Leute wie mich herabgeschaut.
Wieso ich mich nicht von ihr lossage und ihr zeige, dass ich anders bin? Ich weiß es nicht.
„Du auch nicht.“ Dabei ist das Gegenteil der Fall – die Zähne sind noch weißer, das Haar länger. Es ist gefärbt, sie trägt viel zu viel unechten Schmuck. Eine teure Tasche an ihrer Schulter, drei Einkaufstüten in ihrer linken Hand.
Eine unangenehme Stille entsteht. Ich schaue auf die Uhr, entschuldige mich. Murmele etwas von einem Termin und gehe weiter. Entkomme ihren Blicken und setze meine Maske ab, ziehe die Kapuze wieder auf. Laufe noch etwas schneller.
Und mir kommt ein Gedanke, ein Gedanke, der mich zum Nachdenken bringt.
Denn vielleicht trage nicht nur ich eine Maske. Vielleicht trägt auch sie eine.

Samstag, 14. Januar 2017

38. Schreibnacht mit Special Guest Thomas Finn



„Schreiben lernt man zunächst einmal dadurch, dass man schreibt.“
„Ein Testleser, der dir nicht weh tun will, bringt dir nichts.“

Das sind nur zwei Zitate von dem absolut genialen Thomas Finn, der gestern Abend Gast bei der 38. Schreibnacht war.
Ich habe natürlich – wie immer – erst mittags mitbekommen, dass abends eine Schreibnacht ansteht und war spätestens dann begeistert, als Special Guest Thomas Finn angekündigt wurde. Ich habe seine Fantasyromane, angefangen bei ‚Der letzte Paladin‘, verschlungen und ihn schon immer für seinen tollen Schreibstil bewundert.

Montag, 9. Januar 2017

31 Tage Autorenwahnsinn - Woche 1


Der Blog „Schreibwahnsinn“ hat die Challenge 31 Tage Autorenwahnsinn ins Leben gerufen. Jeden Tag posten Autoren ein Bild / einen Beitrag zu einem bestimmten Thema ihres Autorenlebens und lassen andere daran teilhaben.
Da ich es nicht schaffen kann, jeden Tag ein Bild hochzuladen, habe ich mich dazu entschieden, Wochenzusammenfassungen auf diesem Blog zu machen. Die Idee finde ich wirklich gut und ich lese sehr gerne die Beiträge der anderen teilnehmenden Autoren (z.B. Murphy Malone, Lily Magdalena, Juliana Fabula um nur ein paar zu nennen).

Sonntag, 8. Januar 2017

Licht aus, Kopf an

Armando Ascorve // Unsplash.com

Über die Eigenart, sich zu viele Gedanken zu machen.

Das letzte Licht geht aus, ich kuschele mich in meine Decke ein, schließe die Augen. Mein Kopf ist leer. Ich höre Wasser, leise Schritte. Verhaltenes Lachen, das langsam verklingt. Ein Streit, vermutlich Teil eines Filmes. Es wird englisch geredet. Autos rasen vorbei, eine Sirene in der Ferne.
Und dann, als ob es „klick“ gemacht hätte, fängt das Gedankenkarussell an, sich zu drehen. 
Was habe ich morgen vor?
Habe ich heute alles richtig gemacht?
Vielleicht sollte ich die Geschenke jetzt schon besorgen.
Verdammt, ich wollte doch heute mein Zimmer aufräumen.
Was ist, wenn die Nachricht nicht angekommen ist?
Ich schlage die Augen auf, bin hellwach. Starre in die Dunkelheit. Lenke mich mit Musik ab. Versuche, die Tür zu den Gedanken zu verschließen. Und irgendwann, irgendwann, schlafe ich doch ein.

Acht Uhr. Ich mache mich auf den Weg in die Stadt. 
Habe ich nichts vergessen?
Was, wenn es anfängt zu regnen?
Was, wenn ich die falschen Entscheidungen treffe?
Etwas Falsches sage?
Das sind kleinere Sachen. Kleinere Entscheidungen, die mich nicht unmittelbar einschränken und meist keine Auswirkungen haben. Und ich weiß, dass ich mir über solche Sachen keine Gedanken machen muss, mich nicht um alles sorgen sollte. Und mittlerweile klappt das auch ganz gut. Einfach spontan sein, den Kopf ausschalten. Und doch geht es abends im Bett schon wieder los:
Ich muss morgen unbedingt diesen Ordner sortieren. 
Mache ich dieses Praktikum oder nicht?
Welchen Bus nehme ich am besten?

Ich bin jemand, der sich über vieles Gedanken macht. Der nicht einfach mal spontan zu einem Treffen zusagt, sondern erst nachdenkt. Der sich überwinden musste, in der Schule etwas zu sagen und sich die Sätze genau im Kopf zurechtlegte. Ich bin noch immer so, das kann ich nicht einfach abstellen. Kann keinen Schalter umlegen, der das Problem löst. Wenn es überhaupt ein Problem ist. Ich habe gelernt, es zu akzeptieren. Mit der Eigenart, sich über so vieles Gedanken zu machen, zu leben. Denn sich Gedanken zu machen ist nichts Schlechtes. Nichts, für das man sich schämen sollte. Es gehört zu mir, wie auch alles andere. Und das ist gut so.