Donnerstag, 26. Januar 2017

"Incarceron" von Catherine Fisher


INCARCERON
Catherine Fisher
Firebirdbooks, 2007
442 Seiten


„Finn wächst in Incarceron auf, einem Gefängnis mit riesigen Metallwäldern, endlosen Weiten und verfallenen Städten. Eine Welt voller Gewalt und Misstrauen – aus der niemand entkommen kann. Und doch kann Finn mit Claudia Kontakt aufnehmen: Sie lebt außerhalb von Incarceron und ihr Vater ist der Gefängnishüter. Doch auch ihr Leben ist nicht perfekt und so wie sie Finn zur Flucht aus dem Gefängnis verhelfen will, hilft er ihr, aus ihrem goldenen Käfig, der ihr Leben darstellt, zu entfliehen. Doch ihr größter Feind ist Incarceron selbst – denn das Gefängnis lebt und geht bis zum äußersten, um Finns Flucht zu vereiteln.“




Ein klassisches Fantasybuch, das allerdings auch mit dystopischen Elementen aufwartet. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal von einem Buch derartig begeistert war wie von ‚Incarceron‘. Der Leser taucht in die Welt ein, lernt Finn und seine Freunde kennen. Wobei Freunde das falsche Wort ist, Verbündete trifft es wohl eher. Keito, sein Blutsbruder, sticht dabei besonders hervor, da die beiden eine sehr besondere Beziehung haben – eine Beziehung, die für den Leser am Anfang nicht ersichtlich ist. Aber indem man Keito beobachtet, lernt man sehr viel über Finn. Er wird als „Sternenseher“ bezeichnet und scheint Visionen von der Außenwelt zu haben und genau das macht ihn so nützlich für einen alten Mann, dessen Traum es ist, einmal die richtigen Sterne anstelle der Metallmauern zu sehen. 


Die Charaktere in ‚Incarceron‘ sind sehr überschaubar, allerdings ist jeder einzelne sehr gut ausgearbeitet. Sie besitzen Stärken und Schwächen, werden mit Problemen konfrontiert, die es zu lösen gilt und machen im Laufe der Handlung eine mehr oder weniger starke Entwicklung durch. Dies ist vor allem bei Finn zu sehen, sobald Claudia in sein Leben tritt.
Apropos Claudia – sie ist teilweise eine sehr klischeebehaftete Figur, schafft es aber immer wieder, den Leser zu überraschen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass manche ihrer Handlungen noch mehr begründet werden. 

Incarceron wird aus zwei Perspektiven erzählt, die irgendwann nahtlos ineinander übergehen: Claudia in der Außenwelt, Finn als Gefangener in Incarceron. Finns Perspektive fand ich interessanter, allerdings ergibt diese nur mit Claudias Perspektive zusammen Sinn, zumindest ab einem gewissen Punkt. Die beiden Sichten ergänzen sich also gegenseitig.

Die Handlung nimmt sehr rasch Fahrt auf, es gibt einen roten Faden, der sich kontinuierlich durch die Geschichte zieht, sodass das Ziel in jeder Szene klar ist. Incarceron brilliert mit verschiedenen unerwarteten Ereignissen, nicht nur in der Mitte, sondern auch am Ende des Buches, die der Handlung eine ganz neue Wendung geben. Obwohl einige Dinge scheinbar voraussehbar sind, heißt das nicht, dass diese dann auch genau so eintreten. Denn nicht nur um Incarceron selbst ranken sich Legenden, auch die Charaktere sind nicht immer das, was sie vorgeben zu sein. 

Sowohl Incarceron, als auch die Außenwelt werden sehr detailliert beschrieben, sodass ich mir alles vor meinem inneren Auge vorstellen kann. Die Handlungsorte in der Außenwelt wechseln nicht oft, trotzdem werden immer wieder neue Aspekte beleuchtet, die auch für den Handlungsverlauf wichtig sind. Ich hätte gerne noch mehr über Incarceron erfahren, denn vor allem die Tatsache, dass das Gefängnis lebt, macht es sehr interessant. Wer hat es erschaffen, wieso wurde es erschaffen? Was hat es mit Sapphique auf sich, der anscheinend als Einziger dem Gefängnis entfliehen konnte? Aber diese Fragen werden vermutlich alle im zweiten Band geklärt.

Tolle Charaktere, ein gutes Setting und eine wahnsinnig spannende Grundidee – klare Leseempfehlung!

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