Sonntag, 8. Januar 2017

Licht aus, Kopf an

Armando Ascorve // Unsplash.com

Über die Eigenart, sich zu viele Gedanken zu machen.

Das letzte Licht geht aus, ich kuschele mich in meine Decke ein, schließe die Augen. Mein Kopf ist leer. Ich höre Wasser, leise Schritte. Verhaltenes Lachen, das langsam verklingt. Ein Streit, vermutlich Teil eines Filmes. Es wird englisch geredet. Autos rasen vorbei, eine Sirene in der Ferne.
Und dann, als ob es „klick“ gemacht hätte, fängt das Gedankenkarussell an, sich zu drehen. 
Was habe ich morgen vor?
Habe ich heute alles richtig gemacht?
Vielleicht sollte ich die Geschenke jetzt schon besorgen.
Verdammt, ich wollte doch heute mein Zimmer aufräumen.
Was ist, wenn die Nachricht nicht angekommen ist?
Ich schlage die Augen auf, bin hellwach. Starre in die Dunkelheit. Lenke mich mit Musik ab. Versuche, die Tür zu den Gedanken zu verschließen. Und irgendwann, irgendwann, schlafe ich doch ein.

Acht Uhr. Ich mache mich auf den Weg in die Stadt. 
Habe ich nichts vergessen?
Was, wenn es anfängt zu regnen?
Was, wenn ich die falschen Entscheidungen treffe?
Etwas Falsches sage?
Das sind kleinere Sachen. Kleinere Entscheidungen, die mich nicht unmittelbar einschränken und meist keine Auswirkungen haben. Und ich weiß, dass ich mir über solche Sachen keine Gedanken machen muss, mich nicht um alles sorgen sollte. Und mittlerweile klappt das auch ganz gut. Einfach spontan sein, den Kopf ausschalten. Und doch geht es abends im Bett schon wieder los:
Ich muss morgen unbedingt diesen Ordner sortieren. 
Mache ich dieses Praktikum oder nicht?
Welchen Bus nehme ich am besten?

Ich bin jemand, der sich über vieles Gedanken macht. Der nicht einfach mal spontan zu einem Treffen zusagt, sondern erst nachdenkt. Der sich überwinden musste, in der Schule etwas zu sagen und sich die Sätze genau im Kopf zurechtlegte. Ich bin noch immer so, das kann ich nicht einfach abstellen. Kann keinen Schalter umlegen, der das Problem löst. Wenn es überhaupt ein Problem ist. Ich habe gelernt, es zu akzeptieren. Mit der Eigenart, sich über so vieles Gedanken zu machen, zu leben. Denn sich Gedanken zu machen ist nichts Schlechtes. Nichts, für das man sich schämen sollte. Es gehört zu mir, wie auch alles andere. Und das ist gut so.

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