Sonntag, 19. Februar 2017

"Die Feuerkämpferin" - Im Bann der Wächter von Licia Troisi


Die Feuerkämpferin - Im Bann der Wächter
Licia Troisi
HEYNE, 2010
507 Seiten

„Der Untergang droht. Eine mysteriöse Krankheit droht alle Bewohner der Aufgetauchten Welt auszurotten. Einzig Adhara, die Nymphenblut in ihren Adern trägt, verheißt Rettung. Gemeinsam mit ihrem Gefährten, dem Drachenritter Amhal, macht sie sich auf den gefahrvollen Weg ins Feindesland. Wird es ihr gelingen, das Böse abzuwenden? Wird sie die Welt retten können?“ * 


Licia Troisi und ich, das ist eine ganz besondere Beziehung. Ihre erste Trilogie „Die Drachenkämpferin“ habe ich vor Ewigkeiten gelesen und sie sofort zu meiner Lieblingsautorin erklärt. Und auch bei der zweiten Trilogie „Die Schattenkämpferin“ wurde ich nicht enttäuscht. Jetzt also die dritte Trilogie „Die Feuerkämpferin“. Für alle, die sich überlegen, die Geschichten von Nihal, Dubhe und Adhara zu lesen: Es ist per se nicht wichtig, mit welcher Trilogie ihr anfangt. Die Geschichten sind in sich relativ abgeschlossen, es wird alles erklärt, was im vorherigen Band passiert ist. Allerdings nicht zu ausführlich, sodass man trotzdem noch den Anreiz hat, die vorherige Trilogie zu lesen. So viel dazu.

Eigentlich fasse ich den Inhalt selbst zusammen, aber bei „Die Feuerkämpferin“ musste ich den originalen Klappentext einfach mal so stehenlassen. Er erfüllt alle Klischees, die ein Klappentext erfüllen kann – Adhara wird als einzige Heldin dargestellt, Amhal als der potenzielle „love interest“ an ihrer Seite. Rhetorische Fragen am Ende.  Gut, das kann ich vielleicht noch verschmerzen. Aber diese Zusammenfassung gibt den Inhalt des Buches absolut nicht wieder. Der Roman ist so viel vielschichtiger, denn zunächst einmal ist das Ziel gar nicht, sich auf den Weg ins Feindesland zu machen. Lasst euch also nicht vom Klappentext täuschen!

Adhara erwacht auf einer Wiese – sie weiß nicht, wer sie ist, besitzt keinen Namen. Hilflos streift sie umher, bis sie in einer nahegelegenen Stadt auf den Drachenritter Amhal trifft, der sie vor einer Gruppe Räuber rettet. Die beiden verstehen sich unglaublich gut und Adhara gelingt es, Vertrauen zu dem Fremden zu fassen. Der Leser wird auf eine sehr spezielle Art und Weise in das Buch eingeführt, denn dadurch, dass Adhara selbst keine Erinnerungen hat, ist auch für sie alles neu und sie muss sich in der Welt zurechtfinden. Sie muss lernen, dass Frieden herrscht, dass das Land von Dubhe und Learco regiert wird und die Drachenritter für Schutz sorgen. Amhal versucht sein Möglichstes, um Adhara dabei zu unterstützen, ihre Erinnerungen wiederzufinden und die beiden brechen nach Neu-Enwar auf, die Hauptstadt des Landes. Man wird langsam mit allen Charakteren vertraut, auch mit Charakteren, die ich schon aus den vorherigen Trilogien kannte.
Der Roman wird abwechselnd aus verschiedenen Sichten erzählt, hauptsächlich natürlich aus Adharas und Amhals Sicht, allerdings immer wieder auch aus der Sicht von Dubhe und anderen Charakteren. Der Roman brilliert durch seine Charaktere, die alle wahnsinnig vielschichtig sind. Egal, wie unwichtig der Charakter auch sein mag, Licia Troisi schafft es, dass die Charaktere sehr bodenständig und real wirken. Nicht alle Handlungen sind zunächst erklärbar, sie stiftet Verwirrung, was die Motive der Charaktere angeht, aber genau das liebe ich. Denn Wandlungen und Veränderungen spielen eine sehr wichtige Rolle, nicht nur, was Adhara und Amhal angeht. Die beiden verändern sich, verändern sich auch gegenseitig, indem sie Halt aneinander finden. Wer hier eine Liebesgeschichte vermutet, hat zwar Recht, allerdings ist diese nicht zu aufdringlich und definitiv nicht Hauptmotiv des Romans.
Es gibt kein Schwarz und Weiß, kein Gut und Böse. Das wäre viel zu einfach. Jeder besitzt eine schlechte Seite, die irgendwann zu Tage kommt, vor allem Amhal wird mit jeder Seite mehr zu einem Rätsel. Er macht die größte Wandlung im Buch durch und ich bin sehr gespannt, wie sich das alles noch entwickelt, da er mir sehr ans Herz gewachsen ist.
Dadurch, dass Adhara keine Erinnerungen hat – selbst ihr Name wurde ihr von Amhal gegeben – besitzt sie an einigen Stellen natürlich wenig Tiefe. Das ist allerdings wegen ihres Erinnerungverlustes, zu verschmerzen und bessert sich im Verlauf der Handlung.

Der Roman besitzt einen roten Faden, auch, wenn sich das Hauptziel immer wieder ändert. Zunächst möchte Adhara herausfinden, wer sie ist und wieso sie ihre Erinnerungen verloren hat, später wird die Seuche, die sich im ganzen Land ausbreitet, immer wichtiger. Dadurch, dass der Leser die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt bekommt, kann er sich sehr viel selbst zusammenreimen. Was sich dann im Endeffekt vielleicht doch als falsch herausstellt. Der Roman spielt mit dem Leser, setzt immer wieder falsche Hinweise, um von der eigentlichen Auflösung abzulenken. Nur sehr wenig ist wirklich vorhersehbar, was mir sehr gefallen hat. Nicht nur auf die Handlung, sondern auch und vor allem auf die Charaktere bezogen. Das Ende ist sehr überraschend und, wie von Licia Troisi nicht anders gewohnt, auf keinen Fall ein Happy End.

Licia Troisis Schreibstil ist einfach wundervoll. Er passt hervorragend zu einem High-Fantasy Roman, ist fesselnd und mitreißend.  Das Erzähltempo ist sehr hoch, alles Unnötige wird weggelassen, sodass der Roman sehr schnell an Fahrt aufnimmt und der Leser auch das Gefühl hat, sich mitten in der Handlung zu befinden.
Der Roman ist an einigen Stellen sehr grausam, aber die Grausamkeit passt sowohl zum Schreibstil als auch zur Handlung und von Licia Troisi hätte ich auch nichts anderes erwartet.

Wer Wert auf tolle und sympathische Charaktere und eine spannende Handlung legt und auch dem Motiv „Tod und Verderben“ nicht abgeneigt ist, wird „Die Feuerkämpferin“ lieben. Ein Buch, das ist jedem High-Fantasy Fan uneingeschränkt empfehlen kann!

*Quelle: Heyne.de 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gerne könnt ihr mir Kommentare hinterlassen. Für Kritik, Wünsche oder Anregungen bin ich offen :)