Sonntag, 5. Februar 2017

"Legend" von Marie Lu


LEGEND
Marie Lu
Penguin Books, 2011
295 Seiten


„Junes Bruder wurde getötet – von Day, dem meistgesuchtesten Verbrecher der Republik. Der Wunsch nach Rache führt sie auf seine Spur, denn sie ist ausgebildet zum Aufspüren von Regimegegnern. Doch Day ist nicht so, wie June ihn sich vorgestellt hat – er ist selbstlos, loyal. Und sie beginnt, Gefühle für ihn zu entwickeln.
Hat er wirklich ihren Bruder getötet? Fast zu spät erkennen die beiden, dass sie Spielfiguren in einem perfiden Spiel sind.“


Es ist schon das zweite Mal, dass ich versuche, Legend zu lesen. Ich habe das Buch für meinen Schottlandaufenthalt vor zwei Jahren bekommen – auf Englisch natürlich, aber auch nach mehreren Anläufen musste ich es wieder zur Seite legen. Absolut nicht nachvollziehbar, denn dieses Mal habe ich das Buch verschlungen.

Die Ausgangssituation ist sicherlich nicht unbekannt: Zwei Jugendliche, die in verschiedenen Welten aufwachsen, der eine bei den Armen, die andere bei den Privilegierten. Sie treffen durch einen Zfall aufeinander und dieses Treffen beginnt, beide zu verändern. Ich habe eine klischeebeladene Liebesgeschichte erwartet, klischeehafte Charaktere, aber dem war nicht so.
Dadurch, dass sowohl June als auch Day eine eigene Perspektive haben und ich als Leser somit beide Seiten mitbekomme, konnte ich mich sehr gut in die beiden reinfühlen. Wenn ich nur die eine Seite gekannt hätte, hätte mir sicherlich immer etwas gefehlt, denn nur zu zweit ergeben sie ein Ganzes. June ist so anders als Day – ihre Eltern sind früh gestorben und sie wurde von ihrem Bruder Metias großgezogen. Auch, wenn dieser nur sehr wenig vorkommt, spürt man die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden. Ich habe die Welt kennengelernt, in der sie leben – eine Republik, vom Hass zerfressen. Eine Seuche, welche die Ärmsten der Armen heimsucht und die die Elite nicht zu kümmern hat, da sie ein Gegenmittel besitzen.
Day wächst auf der Straße auf. Da er beschlossen hat, gegen die Regierung zu kämpfen, muss er sich verstecken, seine einzige Verbündete ist Tess, der er ein besseres Leben beschafft hat. Seine Familie hält ihn für tot, aber er würde alles tun, um seinen an der Seuche erkrankten Bruder zu retten.
June und Day sind unterschiedlich wie Wasser und Feuer und doch verändern sie einander. Ich habe von der ersten Minuten an mitgefiebert, konnte es dann allerdings nicht glauben, als mitgeteilt wurde, dass die beiden erst fünfzehn Jahre alt sind. Sie wirken älter, sowohl was ihr Verhalten, als auch ihre Denkweise angeht.

Die Handlung nimmt sehr schnell an Fahrt auf, etwas, das ich sehr begrüße. Im ersten Viertel passiert so viel, dass ich es kaum alles zusammenfassen kann. Die Exposition und das Kennenlernen der Welt kommt dabei aber kaum zu kurz, denn vor allem June zeigt dem Leser sehr viel. Natürlich aus ihrer, subjektiven Perspektive, aber da diese durch Day ergänzt wird, ist das nicht schlecht. Im Gegenteil: Ich konnte mir beide Leben sehr gut vorstellen, da immer wieder Informationen eingestreut werden, allerdings nicht zu aufdringlich und offensichtlich.
Der Spannungsbogen bleibt immer erhalten, denn viele Rätsel werden anders aufgelöst, als ich es vielleicht erwartet hätte. Vorhersehbar ist der Roman trotzdem, aber nur in einigen wenigen Punkten, was vermutlich von der Autorin auch so gewollt ist.

Ein sehr großer Pluspunkt für mich ist die Liebesgeschichte. Beziehungsweise eher das „Fehlen“ von ihr. Wer den Klappentext liest, erwartet eine Romanze zwischen den beiden und wird enttäuscht werden. Denn die Liebesgeschichte spielt sich eher im Hintergrund ab, wird dezent durch Andeutungen erwähnt und rückt fast in Vergessenheit. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Kampf gegen die Machenschaften der Republik, was mir sehr gut gefallen hat.

Ich habe Legend auf Englisch gelesen und empfand den Schreibstil von Marie Lu als der flüssig und spannend. Alles war gut verständlich erklärt und sie schafft es, den Leser mitzunehmen in die Welt der beiden Protagonisten.

Legend ist ein mitreißender Roman, der mit authentischen Charakteren und einer rasanten Handlung punkten kann. Wer Dystopien mag, wird Legend lieben!

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