Sonntag, 28. Mai 2017

'Book of Lies' von Teri Terry


Book of Lies
Teri Terry
Orchard Books, 2016
352 Seiten

Piper und Quinn sind Zwillinge, aber sie wissen nichts voneinander. Während Piper bei ihren Eltern in einem wohlhabenderen Viertel Wincesters lebt und alles bekommt, was sie sich wünscht, wächst Quinn bei ihrer Großmutter in einer Hütte im Wald auf. Die beiden treffen aufeinander, als ihre gemeinsame Mutter auf tragische Weise stirbt und kommen einem Fluch auf die Spur, der ihre Familie seit Jahrhunderten umgibt. Denn einer der beiden wird von Dunkelheit kontrolliert und wenn diese losbricht, ist niemand mehr sicher…


Ich habe die Slated-Trilogie von Teri Terry geliebt, es war also nur eine logische Konsequenz, mich auch an ihre anderen Bücher heranzuwagen. Book of Lies ist ganz anders, das merkt man schon am Anfang. Der Leser wird mitten in die Handlung hineingeworfen, erfährt, dass Quinns Mutter, die sie nur selten gesehen hat, gestorben ist. Und trifft auf besagter Beerdigung auf Piper. Ich empfinde diesen Einstieg als zu schnell, es werden immer wieder Dinge angedeutet, die wichtig zu sein scheinen, denen aber zu wenig Raum gegeben wird. Dieses Problem zieht sich durch den gesamten Roman: Die Handlung ist unglaublich zäh und auch nach der Hälfte ist kein wirklicher roter Faden erkennbar, kein Ziel, auf das beide hinarbeiten. Gleichzeitig gibt es zu wenig Beschreibungen und zu schnelle Szenen, bei denen kaum Luft zum Durchatmen war. Aber nicht wegen der Spannung, sondern weil die Autorin durch die Szenen durchgerauscht ist, ohne genauer auf einzelne einzugehen. Nach Dreiviertel des Buches gab es noch immer kein klares Ziel und mir war nicht bewusst, wohin die Handlung führen soll. Das letzte Viertel hingegen war dann so schnell und vollgestopft von Informationen, dass es zum vorherigen Teil des Buches überhaupt nicht gepasst hat.Meiner Meinung nach war auch die Auflösung viel zu früh klar: Mir war schon nach wenigen Kapiteln bewusst, wer auf der Seite der Dunkelheit steht und wie die Mutter zu Tode gekommen ist. Das Ende war daher nicht wirklich überraschend und abgesehen davon empfand ich die Umsetzung als viel zu schnell.

Auch die Charaktere konnten es in diesem Fall nicht mehr herumreißen. Quinn finde ich zwar interessant, aber ich hätte mir noch mehr Persönlichkeit von ihr gewünscht, mehr Informationen über die Vergangenheit. Wieso sie handelt, wie sie handelt. Piper ist mir unglaublich unsympathisch und da der Roman aus zwei Sichten erzählt wurde, ist das natürlich nicht so gut. Der Perspektivenwechsel könnte an sich sehr interessant sein, aber die Kapitel sind einfach zu kurz (abgesehen davon hat der Übergang der Kapitel mich nach einiger Zeit genervt – wieso eine ganze Seite mit der jeweiligen Initiale verschwenden?). Den Charakteren wird zu wenig Raum gegeben, sich zu entfalten und vor allem Piper wirkt auf mich wie eine Marionette der Autorin. Mir ist bewusst, dass Teri Terry alles sehr mysteriös wirken lassen wollte und viele Geheimnisse nur angedeutet hat, allerdings war es mir an manchen Stellen zu mysteriös. Ich hatte keinen blassen Schimmer von irgendetwas und als die Zwillinge die Möglichkeit hatten, nachzufragen oder sich genauer damit zu beschäftigen, haben sie die Gelegenheit verstreichen lassen. Auch die Nebencharaktere bzw. eigentlich DER Nebencharakter, denn nur Zak, Pipers Freund, würde ich wirklich als Nebencharakter bezeichnen, ist zu wenig ausgearbeitet. Er folgt den beiden ohne Wenn und Aber und trotz Pipers Einfluss auf ihn sollte er mehr hinterfragen, mehr Gefühle zeigen.

Der Schreibstil ist sehr ungewohnt, wobei das daran liegen kann, dass ich den Roman auf Englisch gelesen habe. Er ist sehr schwerfällig und kann leider nicht das rüberbringen, was rübergebracht werden sollte. An einigen Stellen ist Spannung zwar vorhanden, aber das flacht viel zu schnell ab und wird wieder zu banal.

Ich habe mir von Book of Lies viel erhofft und wurde enttäuscht: Eine vorhersehbare Handlung, flache Charaktere und kaum Spannung – obwohl die Idee so viel mehr Potenzial hätte. Sehr schade.


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