Sonntag, 14. Mai 2017

"Champion" von Marie Lu


Champion
Marie Lu
Penguin Books, 2013
368 Seiten
Während June an der Seite des Herrschers Anden ist, hat Day mit seiner Krankheit zu kämpfen. Das Land ist kurz davor, im Frieden vereint zu werden – doch plötzlich bricht eine Seuche aus und die Kolonien machen die Republik dafür verantwortlich. Als die Situation zu eskalieren droht, werden Day und June wieder zusammengebracht und es stellt sich heraus: Sie allein weiß, wer das Land vor dem Krieg retten kann. Aber dazu muss sie alles und jeden aufgeben, den sie liebt. 


Ich habe erwartet, dass die Trilogie ein furioses Finale bekommt. Aber dass es so furios und so genial war, hat mich überrascht. 
Die Ausgangssituation ist eine vollkommen andere als in den vorherigen zwei Bänden und das merkt man von der ersten Seite an: Die Ärzte versuchen, Days Leben zu retten, sein Bruder Eden ist immer an seiner Seite. June muss den Regenten Anden bei wichtigen Entscheidungen unterstützen und versucht, Day zu vergessen. Was mehr schlecht als recht gelingt. Das hat eine unglaubliche Wandlung der Charaktere zur Folge. Sie wird damit konfrontiert, dass Day sterben wird und muss dennoch die Fassade der starken June aufrechterhalten. Day hingegen ist so kraftvoll und doch so hilflos wie nie zuvor. Er sorgt sich unglaublich um seinen Bruder, möchte nicht einsehen, dass er sterben wird. Obwohl er weiß, dass es unausweichlich ist. Die beiden sind totale Kontraste, aber beide Sichten ergänzen sich wieder gegenseitig unglaublich gut. Der Leser bekommt Einblicke in beide Gefühls- und Gedankenwelten und das ist in diesem finalen Band unglaublich wichtig. Auch die Liebesbeziehung der beiden wird aufgearbeitet und ist intensiver als in den Bänden zuvor, aber kein bisschen klischeehaft oder penetrant. Ich liebe die Art, wie Marie Lu die Liebe und Romanzen in ihre Geschichten einbaut, ohne dass sie voraussehbar und klischeehaft wirken. Vor allem Junes Schuldgefühle wegen dem Tod von Days Familie sind sehr präsent, denn Day versucht, ihr zu vergeben. Die inneren Konflikte diesbezüglich erscheinen authentisch und tragen einen weiteren Teil dazu bei, dass die Beziehung der beiden sich verändert. 
Auch Eden hat sich in diesem Band verändert – fast noch mehr als. Er wurde vom kleinen Jungen zum wohlüberlegten Jugendlichen, der versucht, seinen Bruder zu beschützen und Opfer zu bringen, wenn es nötig ist. Auch Anden entwickelt sich weiter und sagt sich mehr und mehr von dem Einfluss seines Vaters los, er ist bereit, alles zu riskieren.


Die Grundstruktur des Romans hat sich geändert: Dieses Mal gibt es eine „reale“ Gefahr, eine Seuche, gegen die niemand ein Heilmittel kennt. Und die Kolonien, die der Republik den Krieg erklären. Meiner Meinung nach war die Seuche zu wenig aufgearbeitet und zu wenig präsent, um wirklich eine Bedrohung darzustellen, aber die Auflösung von allem am Ende war dennoch logisch und sehr gut.
Dieses Mal spielt sich auch ein Teil der Handlung in Antarctica ab, einem Land, von dem wir bisher noch nichts erfahren hatten. Es unterscheidet sich sehr von der Republik und den Kolonien und doch wird deutlich, dass auch „sein“ Konzept Schwächen hat. Alle Hintergrundgeschichten bezüglich der Welt und weshalb sich Republik und die Kolonien gebildet haben werden aufgelöst und es bleiben keine Fragen zurück. Alle Geheimnisse werden aufgedeckt und die Geschichte ist an sich innerhalb der drei Bände sehr rund.

Der Leser wird in die Handlung eingesogen und erst bei der letzten Seite wieder freigegeben. Auch das Ende ist sehr gelungen – ein Ende, das mir lange im Gedächtnis bleiben wird, da ich tatsächlich Tränen in den Augen hatte. Es ist weder klischeehaft, noch voraussehbar und vor allem die letzten beiden Kapitel sind einfach perfekt.

Marie Lus „Legend“-Trilogie ist ein Meisterwerk. Die Bücher überzeugen mit einfacher, aber stilistisch toller Sprache und einer Handlung, die fesselt. Die Autorin bricht bewusst mit Klischees und erschafft Charaktere, die einzigartig und authentisch sind. Meine Erwartungen wurden übertroffen!



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