Sonntag, 18. Juni 2017

'Nacht ohne Namen' von Jenny-Mai Nuyen


Nacht ohne Namen
Jenny-Mai Nuyen
dtv Verlag, 2015
448 Seiten

Manche Menschen sind füreinander bestimmt. So wie Nicki und Canon. Sie haben ihre eigene Welt. U-Bahnfahren in der morgengrauen Großstadt. Verstehen sich fast ohne Worte. Und doch wissen sie nicht viel voneinander. Ihre wahren Namen zum Beispiel kennen sie nicht. Und als Canon verschwindet, kommt Nicki einem noch viel größeren Geheimnis in seinem Leben auf die Spur. Denn sie teilt Canon mit einem Dämon – einem Dämon, der in üblen Schwierigkeiten steckt ...
(Quelle: dtv)

Jenny Mai Nuyen ist eine erfolgreiche deutsche Autorin, deren Werke ich schon immer gerne gelesen habe. „Nacht ohne Namen“ ist nicht mehr ganz so neu, aber allein wegen des tollen Covers wollte ich es unbedingt lesen. 
Im Nachhinein finde ich den Klappentext nicht mehr ganz so passend, aber das nur am Rande. Es geht um Nicki und Canon, die sich jeden Morgen in der U-Bahn treffen und zusammen zeichnen. Eine Zufallsbekanntschaft, aus der vielleicht mehr werden könnte. Doch dann verschwindet Canon und Nicki macht sich auf die Suche nach ihm, wird in eine Welt voller Dämonen gezogen und muss sich zwischen richtig und falsch entscheiden. 
Am Anfang ist alles sehr undurchsichtig, mir war als Leser nicht immer bewusst, was jetzt das eigentliche Ziel ist. Sie nimmt sehr schnell Fahrt auf und es fiel mir sehr scher, mich in die Geschichte einzufinden. Was aber auch daran liegt, dass alles sehr schnell geht. Das wiederum passt zum rasanten Schreibstil, hat mir persönlich aber nicht so gut gefallen. Es gibt sehr unterschiedliche Handlungsorte, von ganz normalen wie Nickis Wohnung bis hin zu einer Bibliothek der Dämonen. Vor allem bei letzterem hätte ich mir mehr Beschreibungen gewünscht.
Die Spannungskurve des Romans ist der Autorin sehr gut gelungen und auch die Thematik der Dämonen ist wirklich interessant, auch wenn ich mir mehr Infos darüber erhofft habe. Der Autorin gelingt es auf eine sehr raffinierte Art, Fragen und Geheimnisse aufzulösen und den Leser gleichzeitig auch auf falsche Fährten zu locken. Viele Sachen sind leider sehr abstrakt und auch die poetischen Beschreibungen sind teilweise schwierig für den Leser zu verstehen, obwohl sie toll klingen. Auch das Ende ging ein wenig schnell und war dann sehr schnell und irgendwie nicht passend. Die Handlung hatte viel mehr Potenzial und ich war tatsächlich ein wenig enttäuscht, als ich das Buch aus der Hand gelegt habe.

Nicki und Canon sind tolle Charaktere, da beide eine schwere Kindheit hatten und ihre Beziehung einen ganz eigenen Charme hat. Ich mochte die Art, wie die beiden sehr direkt eingeführt wurden und man Canon zunächst nur aus Nickis Erzählungen kannte. Leider kam Canon sehr wenig vor, ich hätte mir mehr Szenen mit ihm gewünscht.
Nicki ist als Protagonistin sehr sympathisch – ich konnte mich mit ihr identifizieren und sie hat immer einen coolen Spruch auf Lager. Sie ist auch nicht die übermächtige Heldin und hat irgendwann auch noch einen Dämon, Tallis, der sie in den Wahnsinn treibt (auf eine mehr oder weniger gute Weise). Das Zusammenspiel zwischen Nicki und Tallis hat mir auch sehr gefallen, am Ende gab es auch über Tallis immer mehr Informationen. 
Man merkt, dass die Autorin versucht, auch die Nebencharaktere angemessen einzubeziehen und sie nicht wie Marionetten wirken zu lassen, aber das klappt leider nicht bei allen. Dazu fehlen viele Informationen, vor allem Hintergrundinfos.

Trotzdem ist „Nacht ohne Namen“ ein Roman, der mich unterhalten konnte. Die tollen Charaktere haben die enttäuschende Handlung wieder wett machen können, wer sich allerdings auf tiefgründige Charaktere und eine Handlung mit vielen Twists und Infos einstellt, wird enttäuscht werden.


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